Das Goldman Sachs Institute senkt die Wachstumsprognosen für die Europäische Union angesichts des Konflikts im Nahen Osten. Die italienische Wirtschaft könnte 14 Milliarden Euro verlieren, und die deutsche Chemieindustrie verzeichnet katastrophale Ergebnisse, was reale Befürchtungen über das Einsetzen einer Stagflation weckt.
Gesenkte Wachstumsprognosen
Goldman Sachs reduziert die BIP-Schätzungen für die EU und bezeichnet Italien als das Land, das am stärksten von Verlusten in Höhe von 14 Mrd. Euro betroffen ist.
Krise in der deutschen Chemieindustrie
Der Verband VCI berichtet über einen Produktionsrückgang von 2,9% und warnt vor dauerhaften Störungen in den Lieferketten.
Stagflationsrisiko
Experten warnen vor dem gleichzeitigen Auftreten von hoher Inflation und wirtschaftlicher Stagnation in der Eurozone.
Spannungen im Persischen Golf
Angriffe auf Tanker haben die Ölpreise in Richtung 100 Dollar pro Barrel getrieben und bedrohen die Versorgung durch die Straße von Hormus.
Das Goldman Sachs Institute hat die Wachstumsprognosen für die Europäische Union gesenkt und bezeichnet Italien als das Land, das am stärksten von den Auswirkungen des anhaltenden bewaffneten Konflikts im Nahen Osten betroffen ist. Nach Angaben der Bankanalysten gefährdet die Eskalation der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits, einschließlich Angriffen auf Tanker und der Blockade der Straße von Hormus, direkt die europäische finanzielle Stabilität. Das italienische Statistikamt Istat bestätigte am 13. März 2026, dass sich in der Weltwirtschaft ein deutlicher Abwärtstrend abzeichnet und das BIP Italiens drastischer schrumpfen könnte als das der EU-Partner. Die italienische Wirtschaft kämpft seit Jahren mit einer hohen öffentlichen Verschuldung und einem niedrigen Wachstumstempo, was sie besonders anfällig für externe Energieschocks macht. Frühere Treibstoffkrisen, wie die von 1973 oder nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022, führten in Italien zu einem rasanten Anstieg der Inflation und einer Verlangsamung der Industrie. Die derzeitige geopolitische Situation überlagert sich mit den strukturellen Problemen der Eurozone, die seit 2025 nur noch marginale BIP-Zuwächse verzeichnet.
Das deutsche Institut IfW Kiel hat ebenfalls seine Wirtschaftswachstumsprognosen nach unten korrigiert und dies mit den anhaltend hohen Rohstoffpreisen begründet. Besonders alarmierende Signale kommen aus dem Chemiesektor, wo der Branchenverband VCI vor schwerwiegenden Störungen in den Lieferketten und einem zunehmenden Inflationsdruck warnt. Die Chemieproduktion in Deutschland ging im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,9% zurück, und die Branchenumsätze sanken im selben Zeitraum auf ein Niveau von 51,8 Milliarden Euro. Die Situation wird durch den rasanten Anstieg der Ölpreise verschärft, die nach iranischen Angriffen auf Tanker die Grenze von 100 Dollar pro Barrel erreicht haben.
Angesichts der Energiekrise haben Wirtschaftsberater in Deutschland begonnen, den Einsatz von Fracking als Gegenmaßnahme zur Sicherung der Versorgung zu empfehlen. In Italien warnen Experten derweil vor wirtschaftlichen Verlusten, die aufgrund drastischer Energiepreiserhöhungen bis zu 14 Milliarden Euro betragen könnten. Im öffentlichen Diskurs taucht zunehmend der Begriff Stagflation auf, der das denkbar schlechteste Szenario für den Kontinent beschreibt. „Germany's chemicals lobby sees serious disruptions from war in the Middle East. VCI said on Friday it expects potential persistent disruptions” (Die deutsche Chemiebranche sieht durch den Krieg im Nahen Osten ernsthafte Störungen. Der VCI sagte am Freitag, er erwarte mögliche anhaltende Unterbrechungen.) — VCI via Reuters
Eskalation der Wirtschaftskrise 2026: 31. Dezember 2025 — Produktionsrückgang; 4. März 2026 — Inflationswarnung; 12. März 2026 — Prognosekürzung; 13. März 2026 — Istat-Bericht
Mentioned People
- Wolfgang Große Entrup — Geschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI)