EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den Staats- und Regierungschefs am 16. März ein Maßnahmenpaket gegen hohe Energiekosten vorgeschlagen. Dazu zählen niedrigere Steuern auf Strom und eine beschleunigte Überarbeitung des Emissionshandels. Hintergrund sind steigende Belastungen für Haushalte und Unternehmen sowie die Suche nach einem neuen Gleichgewicht zwischen Klimazielen und wirtschaftlichem Druck.
Von der Leyen schlägt Maßnahmenpaket vor
Die Kommissionspräsidentin legte am 16. März Vorschläge für niedrigere Stromsteuern und eine schnellere Überarbeitung des ETS vor, um auf hohe Energiekosten zu reagieren.
Sechs Milliarden Euro als Argument für Eile
Von der Leyen verwies auf zusätzliche Ausgaben von 6 Milliarden Euro für Importe fossiler Energien und begründete damit aus ihrer Sicht dringenden Handlungsbedarf.
Streit über künftigen Kurs beim ETS
Polen fordert pragmatische Lösungen, während ein nicht genannter EU-Vizepräsident das System verteidigt und auf dessen Nutzen für die Wettbewerbsfähigkeit verweist.
EU fragt Kyjiw nach Zeitplan für Druschba-Reparatur
Parallel zur Debatte über Stromsteuern und CO2-Bepreisung will die EU klären, wann die beschädigte Öltransitkapazität wiederhergestellt werden könnte.
Vier Preisfaktoren im Blick
Laut iefimerida.gr prüfen europäische Entscheidungsträger vier Einflussfaktoren auf die Energiepreise, auch wenn die Berichte diese nicht vollständig benennen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union am 16. März ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen. Es umfasst unter anderem eine Senkung der Steuern auf Strom sowie eine beschleunigte Überarbeitung des Emissions Trading System. Die Europäische Union reagiert damit auf steigende Energiekosten und justiert zugleich ihre Strategie für den ökologischen Umbau neu. Von der Leyen sagte den EU-Spitzen, die Gemeinschaft habe bereits zusätzliche 6 (billion euros) — Mehrausgaben für Importe fossiler Energien aufwenden müssen. Sie stellte diese Zahl als Beleg für dringenden Handlungsbedarf dar. Der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, bestätigte laut einem Bericht von Jornal Expresso, dass die EU Maßnahmen zur Begrenzung der Energiepreise vorbereite. Die Vorschläge kamen zu einem Zeitpunkt, an dem die EU-Institutionen eine breitere Überprüfung ihrer Energiepolitik erkennen ließen. Dabei geht es darum, Klimaverpflichtungen gegen den wirtschaftlichen Druck abzuwägen, dem Mitgliedstaaten und Haushalte ausgesetzt sind.
Von der Leyen wirbt für einen realistischeren grünen Umbau Von der Leyen drängte laut ANSA auf eine schnellere Überarbeitung des ETS, um einen aus ihrer Sicht „realistischeren“ ökologischen Umbau sicherzustellen. Der Vorstoß für eine beschleunigte ETS-Reform spiegelt den wachsenden Druck aus Mitgliedstaaten und von Industrieverbänden wider, die befürchten, dass der derzeitige Rahmen in einer Phase hoher Energiepreise zu hohe Kosten verursacht. Polen erklärte über seine Position aus Warschau laut einer früheren ANSA-Meldung vom selben Tag, eine vollständige Aussetzung des ETS sei schwierig, forderte jedoch pragmatische Lösungen. Die polnische Haltung verdeutlicht die Spannungen innerhalb der EU zwischen dem Anspruch, die Integrität ihres zentralen klimapolitischen Instruments zu wahren, und der Notwendigkeit, auf kurzfristige wirtschaftliche Belastungen zu reagieren. Ein namentlich nicht genannter EU Vice President wandte sich laut ANSA gegen Forderungen nach einer Abschwächung des Systems und sagte, das ETS habe sich für die Wettbewerbsfähigkeit als wirksam erwiesen. Die unterschiedlichen Positionen in den EU-Institutionen und unter den Mitgliedstaaten zeigen, wie schwierig ein Konsens darüber ist, wie weit der Zeitplan für den ökologischen Umbau angepasst werden soll.
Zeitplan für Reparatur der Druschba-Pipeline von Kyjiw erbeten Auf der Seite der Energieversorgung bat die EU Kyjiw laut ANSA um einen Zeitplan für die Reparatur der Druschba-Ölpipeline. Die Anfrage deutet darauf hin, dass EU-Vertreter aktiv Möglichkeiten prüften, die durch den Krieg in der Ukraine beeinträchtigte Öldurchleitung wiederherzustellen. Den zugrunde liegenden Berichten zufolge lagen keine bestätigten Informationen über eine Antwort aus Kyjiw oder über den erwarteten Zeitrahmen für die Reparaturen vor. Die Frage der Pipeline fügte den Beratungen der EU zur Energiesicherheit eine weitere Dimension hinzu. Diese liefen parallel zur breiteren Diskussion über Stromsteuern und die Reform der CO2-Bepreisung. Die Verbindung von Sorgen um das Angebot und Kostendruck auf der Nachfrageseite dürfte die EU in Richtung eines mehrgleisigen energiepolitischen Ansatzes treiben.
EU prüft vier Faktoren, die die Energiepreise in der Gemeinschaft prägen Das griechische Medium iefimerida.gr berichtete, europäische Entscheidungsträger untersuchten im Rahmen der in Vorbereitung befindlichen neuen Maßnahmen vier Faktoren, die die Energiepreise beeinflussen. In den zugrunde liegenden Berichten wurden jedoch nicht alle vier Faktoren im Einzelnen benannt. Die von von der Leyen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Senkung der Stromsteuern würden, falls sie beschlossen werden, die Energierechnungen von Haushalten und Industrie in der Gemeinschaft der 27 Mitgliedstaaten unmittelbar beeinflussen. Die Bestätigung António Costas, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Preise vorbereitet würden, deutet darauf hin, dass der Europäische Rat die Stoßrichtung der Kommission unterstützt, auch wenn einzelne politische Details noch verhandelt werden. Die Energiepolitik der EU steht seit 2021 unter anhaltendem Druck, als die Gaspreise bereits vor Russlands groß angelegtem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 stark zu steigen begannen. Das ETS, das seit 2005 in Kraft ist, bildet eine zentrale Säule der EU-Klimapolitik. Es legt eine Obergrenze für Emissionen aus der Stromerzeugung und der Schwerindustrie fest. Die Arbeiten an einer Reform des Systems laufen seit Längerem, wobei das EU-Gesetzespaket „Fit for 55“ den jüngsten großen Reformschub darstellt. Die Bezahlbarkeit von Energie ist in den Mitgliedstaaten zu einem immer wichtigeren politischen Thema geworden. Hohe Stromkosten gelten dabei als ein Faktor, der die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie beeinträchtigt. Die Gespräche in Brüssel am 16. und 17. März spiegeln das fortdauernde Bemühen der EU wider, ihre klimapolitischen Ambitionen mit den wirtschaftlichen Realitäten in Einklang zu bringen, mit denen die Mitgliedstaaten in einer lang anhaltenden Phase volatiler Energiemärkte umgehen müssen.