Das Thüringer Bildungsministerium hat den Start von elf Familienschulzentren zum kommenden Schuljahr bekannt gegeben. Die teilnehmenden Grundschulen liegen vor allem in Nord- und Ostthüringen, darunter Standorte in Gera und Nordhausen. Ziel des Programms ist es, den Bildungserfolg von Schülern durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern zu fördern.
Programmstart mit elf Schulen
Zum neuen Schuljahr werden elf Grundschulen in Thüringen zu Familienschulzentren ausgebaut; ursprünglich waren 15 Standorte geplant.
Eltern als Bildungspartner
Das Konzept setzt auf die Stärkung der Erziehungskompetenz und eine aktive Einbindung der Eltern in den Schulalltag zur Förderung des Bildungserfolgs.
Wissenschaftlich belegte Bildungskluft
Forschungen des LIfBi unterstreichen, dass der soziale Status und der Bildungshintergrund der Eltern weiterhin maßgeblich über den Schulerfolg in Deutschland entscheiden.
Elf staatliche Schulen im Freistaat Thüringen sollen zu Beginn des neuen Schuljahres als Familienschulzentren den Betrieb aufnehmen. Wie das Thüringer Bildungsministerium mitteilte, verringert sich damit die Zahl der ursprünglich Ende 2024 vorgesehenen 15 Einrichtungen. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte die Zahl und begründete die Abweichung mit Kapazitätsengpässen an einigen Schulen, die zuvor Interesse bekundet hatten. Bei den teilnehmenden Institutionen handelt es sich um Grundschulen in Nord- und Ostthüringen, mit mehreren Standorten in Gera sowie einer Einrichtung in Nordhausen. Das Programm zielt darauf ab, die Lernergebnisse zu verbessern, indem die Bildung der Kinder als gemeinsame Verantwortung von Lehrkräften, Schülern und insbesondere den Eltern verstanden wird. Entsprechende Angebote sollen nach dem Start des Schuljahres schrittweise an den einzelnen Schulen eingeführt werden. Eltern werden zu aktiven Partnern im BildungswegDie Kernphilosophie der Familienschulzentren besagt, dass die Einbeziehung der Eltern ein entscheidender Hebel für den schulischen Erfolg ist; das Programm soll diesen Hebel systematisch aktivieren. „Familienschulzentren steigern den Bildungserfolg der Schüler indirekt über die Eltern: Sie stärken die Erziehungskompetenz, vermitteln Bildungsbewusstsein und schaffen Netzwerke mit Schulen und Beratungsstellen” — Thuringian Ministry of Education spokeswoman via N-tv Nach diesem Modell werden Eltern dazu ermutigt, ihre Kinder zu besseren Leistungen zu motivieren und sich an Programmen zur Hausaufgabenhilfe zu beteiligen. Das Konzept betrachtet elterliches Engagement nicht als bloße Ergänzung zum Unterricht, sondern als strukturellen Bestandteil. Die Initiative vernetzt die Schulen zudem mit externen Beratungsstellen, um ein breiteres Unterstützungsnetzwerk für jedes Kind aufzubauen. Durch diesen Ansatz sollen Eltern zu aktiven Begleitern des Bildungswegs ihrer Kinder werden, statt nur passive Beobachter zu bleiben. Suche nach Koordinierungsstelle muss bis 1. Juni abgeschlossen seinUm den Ausbau operativ umzusetzen, sucht das Thüringer Bildungsministerium derzeit nach einem Träger für eine Koordinierungsstelle, wobei die Suche bis zum 1. Juni 2026 abgeschlossen sein muss. Das Programm, das in Thüringen zuvor unter dem Namen „Familiengrundschulzentren“ bekannt war, wurde in „Familienschulzentren“ umbenannt, um zu signalisieren, dass auch weiterführende Schulen das Modell übernehmen können. Einige Einrichtungen, die Interesse an einer Teilnahme signalisiert hatten, wurden letztlich ausgeschlossen, nachdem deutlich wurde, dass die notwendigen Kapazitäten zur Umsetzung des Konzepts fehlten. Die Reduzierung von 15 auf 11 Schulen spiegelt diesen praktischen Prüfungsprozess wider und stellt keinen politischen Rückzug dar. Familienschulzentren in Thüringen: Geplant vs. Bestätigt: Für das Programm vorgesehene Schulen (before: 15 (Ende 2024 angekündigt), after: 11 (April 2026 bestätigt)) LIfBi-Studie unterstreicht soziale Kluft in der frühen BildungDie Initiative stützt sich auf Erkenntnisse der Bildungsforschung, die den familiären Hintergrund eng mit den langfristigen Bildungswegen von Kindern verknüpft. Eine kürzlich vorgestellte Studie des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) bekräftigte diesen Zusammenhang: Eltern mit hohem Berufsstatus lassen ihre Kinder demnach besonders häufig frühzeitig in Kindertagesstätten betreuen. „Kinder aus bildungsfernen Familien nehmen seltener an frühkindlicher Betreuung vor dem vierten Lebensjahr teil” — LIfBi-Studienvorstellung via DIE WELT Der Sozialstatus der Familien und der Bildungshintergrund der Eltern werden von Forschern als wesentliche Faktoren identifiziert, die darüber entscheiden, welche Schul-, Berufs- oder Hochschulabschlüsse Kinder später erreichen. Familienschulzentren sollen genau hier ansetzen, indem sie Eltern mit geringerem Einkommen oder niedrigerem Bildungsstand Werkzeuge und Bewusstsein vermitteln, um ihre Kinder effektiver zu unterstützen. Das Programm fungiert somit sowohl als Bildungs- als auch als soziale Gerechtigkeitsinitiative und adressiert strukturelle Benachteiligungen, die sich laut Forschung über Generationen hinweg verstärken. Im föderalen Bildungssystem Deutschlands liegt die wesentliche Zuständigkeit für das Schulwesen bei den einzelnen Bundesländern, weshalb Programme wie die Thüringer Familienschulzentren auf Landesebene entwickelt und finanziert werden. Bildungsungleichheit aufgrund des Elternhauses ist ein dauerhaftes Thema in der deutschen Politik; Studien belegen regelmäßig, dass Kinder aus sozioökonomisch schwächeren Haushalten schlechtere Leistungen erbringen als Gleichaltrige aus Akademikerfamilien. Die Leibniz-Gemeinschaft, zu der das LIfBi gehört, hat umfangreiche Längsschnittstudien erstellt, die diese Disparitäten über lange Zeiträume verfolgen.
Mentioned People
- Christian Tischner — Minister edukacji, młodzieży i sportu Turyngii