Die italienische Großbank UniCredit will ihren Anteil an der Commerzbank auf mehr als 30 Prozent ausbauen. Das Vorhaben stößt in Berlin, im Management des Frankfurter Instituts und bei der Gewerkschaft Ver.di auf erheblichen Widerstand. Im Zentrum stehen Fragen der Unabhängigkeit der Bank, möglicher Stellenabbau und die Rolle grenzüberschreitender Übernahmen im europäischen Bankensektor.

UniCredit strebt mehr als 30 Prozent an

Die italienische Bank will ihren Anteil an der Commerzbank über die Marke von 30 Prozent erhöhen. Damit könnten nach deutschem und europäischem Recht formelle Verfahren ausgelöst werden.

Widerstand in Berlin und bei der Commerzbank

Bundesregierung, Bankmanagement und Aufsichtsrat stellen sich gegen das Vorgehen. Der Aufsichtsrat lehnte laut ANSA formelle Gespräche mit UniCredit ab.

Ver.di warnt vor bis zu 10.000 gefährdeten Stellen

Die Gewerkschaft sieht im Fall einer erfolgreichen Übernahme erhebliche Risiken für Beschäftigte. Damit erhält der Konflikt neben der politischen auch eine soziale Dimension.

Merz plädiert für Unabhängigkeit

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, Deutschland wolle die Unabhängigkeit der Commerzbank, verwies die Entscheidung aber an die Bank selbst.

Debatte über europäische Bankenintegration

Der Fall gilt als Test dafür, ob grenzüberschreitende Konsolidierung im europäischen Bankensektor politisch und praktisch durchsetzbar ist.

Die italienische Bank UniCredit treibt ihre Bemühungen voran, ihren Anteil an der deutschen Commerzbank auf mehr als 30 Prozent zu erhöhen. Dieser Schritt stößt auf deutlichen Widerstand der Bundesregierung, des Managements der Bank und der organisierten Arbeitnehmervertretung. Der Aufsichtsrat der Commerzbank lehnte es nach einem Bericht von ANSA ab, das Angebot von UniCredit zur Aufnahme formeller Gespräche anzunehmen. Der Vorstoß des italienischen Geldhauses hat in Berlin Unruhe ausgelöst. Quellen zufolge zeigt sich die Bundesregierung über das forsche Vorgehen verärgert. Bundeskanzler Friedrich Merz, der das Amt seit dem 6. Mai 2025 innehat, erklärte öffentlich, Deutschland wolle, dass die Commerzbank unabhängig bleibe, überließ die endgültige Entscheidung jedoch der Bank selbst. Die Auseinandersetzung hat sich in kurzer Zeit zu einem der am genauesten beobachteten Unternehmenskonflikte im europäischen Bankensektor entwickelt.

Ver.di warnt vor dem Wegfall von 10.000 Stellen Die deutsche Gewerkschaft Ver.di warnt nach Berichten von Zeit Online und Die Welt, dass eine erfolgreiche Übernahme durch UniCredit bis zu 10.000 Arbeitsplätze bei der Commerzbank gefährden könnte. Diese Einschätzung spiegelt die tiefen Sorgen vieler Commerzbank-Beschäftigter über die Folgen einer vollständigen Fusion der beiden Institute wider. Ver.di hat in der Vergangenheit bei großen Umbauprozessen deutscher Finanzinstitute maßgeblichen Einfluss auf den Ausgang genommen. Das Eingreifen der Gewerkschaft deutet daher darauf hin, dass der Widerstand der Arbeitnehmer in weiteren Verhandlungen ein zentraler Faktor sein wird. Die Aussicht auf einen Stellenabbau in großem Umfang verleiht einem bereits politisch aufgeladenen Unternehmenskontikt zusätzlich eine soziale Dimension. Deutsche Regierungsvertreter haben klargemacht, dass die mögliche Gefährdung von Arbeitsplätzen aus Sicht der Bundesregierung ebenso ein ernstes Thema ist wie die Frage der nationalen finanzpolitischen Souveränität.

Merz will Unabhängigkeit, verweist aber auf die Bank Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich unmittelbar zu der Situation und beschrieb die Haltung Deutschlands als Präferenz, nicht als ausdrückliches Verbot. „"Vogliamo l'indipendenza della nostra banca, ma la risposta sta a lei"” (Wir wollen die Unabhängigkeit unserer Bank, aber die Antwort liegt bei ihr.) — Friedrich Merz via Il Fatto Quotidiano Die Aussage verweist auf die begrenzten formalen Einflussmöglichkeiten der Bundesregierung, nachdem sie ihre Beteiligung an der Commerzbank gegenüber früheren Niveaus verringert hat. Das Unbehagen Berlins gegenüber dem Vorgehen von UniCredit wird unter anderem mit Tempo und Nachdruck der Schritte der italienischen Bank erklärt. Einige deutsche Regierungsvertreter sehen darin ein Vorgehen, das übliche Abstimmungswege umgeht. Die Neue Zürcher Zeitung wertete den Vorgang als Test für Deutschlands grundsätzliche Haltung zur europäischen Finanzintegration. Das Blatt verwies auf die Spannung zwischen der von Berlin bekundeten Unterstützung für eine europäische Bankenunion und dem Widerstand gegen die grenzüberschreitende Übernahme eines der wichtigsten deutschen Geldhäuser. Ein bei Niezalezna.pl veröffentlichter Kommentar sprach von deutschen Doppelstandards und argumentierte, der Widerstand Berlins gegen einen italienischen Käufer stehe im Gegensatz zu Deutschlands grundsätzlichem Eintreten für offene europäische Märkte.

Der Vorstoß von UniCredit stellt europäische Bankennormen auf die Probe UniCredit hat ihre Position bei der Commerzbank in den vergangenen Monaten schrittweise ausgebaut. Der Schritt über die Schwelle von 30 Prozent hinaus würde eine deutliche Eskalation bedeuten und könnte nach deutschem und europäischem Recht formelle aufsichtsrechtliche und aktionärsrechtliche Verfahren auslösen. Das Überschreiten dieser Marke aktiviert nach den deutschen Übernahmeregeln in der Regel Pflichtangebotsvorschriften. Das bedeutet, dass UniCredit verpflichtet sein könnte, allen übrigen Aktionären ein formelles Angebot zu unterbreiten. Die Ablehnung von Gesprächen durch die Commerzbank zeigt, dass die Führung des Instituts nicht beabsichtigt, eine einvernehmliche Lösung zu unterstützen. UniCredit bliebe damit die Möglichkeit, einen konfrontativeren Weg zu wählen. Il Giornale und ANSA berichteten, UniCredit beschleunige ihre Strategie. Das legt nahe, dass die italienische Bank trotz politischen Gegenwinds weiter vorangehen will. Der Vorgang hat zudem die grundsätzliche Debatte neu belebt, ob die seit langem in politischen Fachkreisen diskutierte europäische Bankenintegration in der Praxis funktioniert, wenn ein bedeutendes nationales Institut zum Übernahmeziel wird.

Die Commerzbank ist seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder Gegenstand von Debatten über Umbau und Eigentümerstruktur. Die Bundesregierung wurde nach einer staatlichen Rettung in der Finanzkrise 2008 bis 2009 zu einem großen Anteilseigner der Bank und hat diese Beteiligung in den folgenden Jahren schrittweise reduziert. Das Interesse von UniCredit an der Commerzbank ist einer der sichtbarsten Versuche einer grenzüberschreitenden Bankenkonsolidierung im Euroraum der vergangenen Jahre. Zugleich legt der Fall die Lücke zwischen der europäischen Rhetorik zur Bankenunion und dem Reflex nationaler Regierungen offen, heimische Finanzinstitute von besonderer Bedeutung zu schützen.