Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) schlägt Alarm: Die Sparpolitik von Regierung und Krankenkassen wird zu einer drastischen Verschlechterung der Arztverfügbarkeit, längeren Wartezeiten und zur Aussetzung der Aufnahme neuer Patienten führen.

Gefährdung der Behandlungsverfügbarkeit

KVH-Vorsitzender John Afful warnt vor längeren Wartezeiten auf Arzttermine und Aufnahmestopps in Facharztpraxen.

Streit um die Finanzierung von Leistungen

Vertragsärzte erbringen mehr Leistungen als in ihren Verträgen vorgesehen, und ein erheblicher Teil ihrer Arbeit bleibt unbezahlt, während gleichzeitig Forderungen nach mehr Sprechstunden bestehen.

Kritik an der Rücknahme des TSVG-Gesetzes

Die KVH lehnt Pläne zur Abschaffung der 2019 eingeführten Regelungen ab, die die Wartezeiten auf Facharzttermine tatsächlich verkürzt haben.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) hat eine offizielle Warnung vor den Folgen der Sparpolitik in der ambulanten Gesundheitsversorgung ausgesprochen, die eine drastische Verschlechterung der Arztverfügbarkeit in Hamburg droht. Der Vorstandsvorsitzende der KV Hamburg, John Afful, weist auf das reale Risiko einer erheblichen Verlängerung der Wartezeit auf Facharzttermine und einer Verringerung der verfügbaren Termine hin. Prognosen der Organisation zufolge werden die finanziellen Einschränkungen viele Praxen dazu zwingen, die Aufnahme neuer Patienten komplett auszusetzen. Diese Situation ist das Ergebnis eines wachsenden wirtschaftlichen Drucks auf den medizinischen Sektor bei gleichzeitig steigenden Erwartungen an die Ärzte. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) fungieren in Deutschland als Körperschaften des öffentlichen Rechts, die alle Ärzte mit einem Vertrag mit den Krankenkassen vereinen. Ihre Aufgabe ist es nicht nur, die Interessen der Mediziner zu vertreten, sondern vor allem die gesetzlich garantierte Gesundheitsversorgung für Millionen Versicherter sicherzustellen. Dieses System basiert auf Verhandlungen über die Vergütung von Leistungen zwischen Ärzten und Krankenkassen, was regelmäßig zu Streitigkeiten über die Höhe der Finanzierung medizinischer Verfahren in den einzelnen Bundesländern führt.

Hauptstreitpunkt sind Pläne zur Rücknahme von Maßnahmen, die durch das TSVG-Gesetz im Mai 2019 eingeführt wurden. John Afful argumentiert, dass diese Vorschriften in Hamburg erfolgreich waren und die lokalen Arztpraxen erhebliche Mittel in die Anpassung an die neuen Anforderungen investiert haben, einschließlich der Einstellung zusätzlichen Hilfspersonals. Die Abschaffung dieser finanziellen Anreize wird von der Ärzteschaft als Rückschritt angesehen, der die bisherigen Fortschritte bei der Verkürzung der Wartelisten zunichtemachen wird. „Die Hamburger Vertragsärzte erbringen bereits jetzt mehr Leistungen für die gesetzlich Versicherten, als sie verpflichtet sind, und ein erheblicher Teil ihrer Arbeit wird nicht vergütet” — John Afful via ZEIT ONLINE

Der Vorsitzende der KVH betont, dass das derzeitige System auf Mehrarbeit der Ärzte basiert, die aufgrund von Budgetgrenzen größtenteils außerhalb des offiziellen Vergütungssystems bleibt. Die Aussetzung der Aufnahme neuer Patienten, bezeichnet als Aufnahmestopps, könnte der einzige Weg sein, die Rentabilität der Einrichtungen angesichts geplanter Kürzungen aufrechtzuerhalten. Die Organisation appelliert an eine Überprüfung der Sparpolitik und warnt davor, dass kurzfristige Kürzungen in der ambulanten Versorgung zu deutlich höheren Behandlungskosten im Krankenhaus in der Zukunft führen werden.

Mentioned People

  • John Afful — Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH), vertritt die Interessen der Vertragsärzte und Psychotherapeuten in Hamburg.
  • Walter Plassmann — Ehemaliger Vorstandsvorsitzender der KV Hamburg, 2022 durch John Afful abgelöst.