Polens Präsident Andrzej Duda hat das SAFE program per Veto gestoppt und damit einen scharfen Konflikt zwischen der Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk und der Opposition ausgelöst. Kommentatoren warnen, die Entscheidung könne als weiterer Schritt weg vom institutionellen Kern der Europäischen Union gelesen werden. Zugleich betont die Regierung, bei Sicherheit und EU-Anbindung gebe es keinen Spielraum für Zögern.

Duda legt Veto gegen SAFE ein

Präsident Andrzej Duda hat das SAFE-Programm gestoppt und damit einen politischen Konflikt zwischen Regierung und Opposition ausgelöst.

Regierung hält Teilnahme für strategisch notwendig

Finanz- und Wirtschaftsminister Andrzej Domański bezeichnete die Vereinbarung mit der Europäischen Kommission als zentral und erklärte, Zögern komme nicht infrage.

Debatte über Polens EU-Kurs verschärft sich

Kommentatoren sehen im Streit um SAFE ein mögliches Signal wachsender Distanz zu den Kernstrukturen der EU. Bestätigte Pläne für eine Überstimmung des Vetos gibt es bislang nicht.

Polens Präsident Andrzej Duda hat das SAFE program mit einem Veto gestoppt und damit einen deutlichen politischen Konflikt zwischen der Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk und der Opposition ausgelöst. Kommentatoren warnten, die Entscheidung könne als Schritt in Richtung eines Rückzugs Polens aus den Kernstrukturen der Europäischen Union interpretiert werden.

Finanzminister: Zögern ist keine Option Andrzej Domański, Minister für Finanzen und Wirtschaft in Donald Tusks dritter Regierung, erklärte nach Angaben von wnp.pl, die Vereinbarung mit der Europäischen Kommission zu SAFE sei von zentraler Bedeutung und ein Finanzminister dürfe in dieser Frage nicht zögern. Mit diesen Äußerungen unterstrich er die Haltung der Regierung, wonach die Beteiligung am SAFE-Mechanismus für Polens Sicherheit und seine Stellung in der EU strategisch notwendig sei. Der Streit über das Veto bringt die Tusk-Regierung in eine schwierige Lage, weil sie das Programm gegen eine Präsidentschaftsentscheidung verteidigen muss, die seine Umsetzung blockiert. Zugleich befinden sich nach Angaben von Rzeczpospolita drei EU-Staaten weiterhin in einer Warteposition, da die Genehmigung der Europäischen Kommission für Rüstungskredite im Rahmen von SAFE noch aussteht. Für Polen wird die Lage zusätzlich durch die politischen Folgen des Vetos erschwert, das aus mehreren Richtungen zugleich kritisiert wird. Die Regierung bemüht sich, die Haltung der Opposition als obstruktiv darzustellen, während die Opposition den Vorgang nutzt, um das Management der Koalition in den Beziehungen zur EU infrage zu stellen.

Kierwiński spottet über die Opposition, Europaabgeordnete kontert Marcin Kierwiński, in den zugrunde liegenden Berichten als Regierungsminister bezeichnet, machte sich laut wpolityce.pl über die Haltung der Opposition zum SAFE-Programm lustig und soll Kritiker als „arme Dinger“ bezeichnet haben. Darauf reagierte Ewa Zajączkowska-Hernik, Mitglied des Europäischen Parlaments aus Polen, mit scharfer Kritik am Vorgehen der Regierung. „The minds of Tusk's coalition do not cease to amaze” — Ewa Zajączkowska-Hernik via Do Rzeczy Zajączkowska-Hernik, die im Europäischen Parlament als Mitglied der ESN group sitzt, gehört seit Längerem zu den konsequenten Kritikern der EU-Politik der Tusk-Regierung. Websuchergebnisse deuten darauf hin, dass Zajączkowska-Hernik Ende Februar 2026 im Europäischen Parlament als fraktionslos geführt wurde, was darauf hindeutet, dass sich ihre Fraktionszugehörigkeit geändert haben könnte. Auch auf einer von der regierenden Bürgerkoalition in Stalowa Wola organisierten Konferenz wurde das SAFE-Programm thematisiert. Das verweist nach Angaben von rzeszow.tvp.pl auf den Versuch der Regierung, auf regionaler Ebene öffentliche Unterstützung für das Vorhaben zu gewinnen.

In Kommentaren tauchen Polexit-Warnungen auf Kommentatoren in Rzeczpospolita und Super Express legten nach Berichten von polityka.se.pl und Rzeczpospolita nahe, das Präsidentschaftsveto und der breitere Streit über SAFE könnten als frühe Schritte in Richtung eines sogenannten Polexit verstanden werden. Ein Kommentar in Rzeczpospolita trug die Überschrift, „Polexit beginnt mit solchen Entscheidungen“, und deutete das Veto damit nicht als gewöhnlichen politischen Streit, sondern als Signal einer tiefergehenden institutionellen Entfremdung zwischen Polen und der EU. Eine von FAKT24.pl zitierte Umfrage zeigte eine geteilte öffentliche Meinung zum Präsidentschaftsveto gegen das SAFE-Programm. Darin spiegelt sich die breitere Spaltung der polnischen Gesellschaft in Fragen der EU-Integration und der Verteidigungsausgaben. Die Position der Regierung, wonach die SAFE-Vereinbarung essenziell sei und keinen Aufschub dulde, steht damit in direktem Gegensatz zur Entscheidung des Präsidenten, sie zu blockieren. Der Vorgang macht erneut die anhaltenden Spannungen der politischen Kohabitation zwischen Präsident Duda und der Tusk-Regierung sichtbar, die die polnische Innenpolitik seit dem Amtsantritt der Koalition prägen. Bestätigte Informationen dazu, ob die Regierung eine Überstimmung des Vetos im Parlament anstrebt oder nach alternativen Finanzierungswegen sucht, liegen bislang nicht vor.

Polen lebt seit Ende 2023 in einer Phase politischer Kohabitation: Damals trat die Koalitionsregierung von Donald Tusk ihr Amt an, während Andrzej Duda Präsident blieb. Beide Seiten sind seitdem wiederholt über Gesetze aneinandergeraten, wobei der Präsident mehrfach von seinem Vetorecht Gebrauch machte. Das SAFE-Programm ist Teil eines breiteren EU-Vorhabens, die Verteidigungsausgaben der Mitgliedstaaten stärker zu koordinieren. Dieses Ziel erhielt nach Russlands groß angelegtem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 zusätzliche Dringlichkeit. Polen gilt als NATO-Frontstaat an der Grenze zur Ukraine und zur russischen Exklave Kaliningrad und zählt zu den lautstärksten Befürwortern höherer europäischen Verteidigungsinvestitionen.