Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat eine radikale Änderung der Energiestrategie angekündigt. Der Plan sieht das Auslaufen der Förderungen für Dach-Photovoltaikanlagen ab 2027 sowie eine Intensivierung der Erdgasförderung in Deutschland vor. Gleichzeitig fordert die SPD-Fraktion unter Führung von Matthias Miersch einen stärkeren Schutz von Mietern vor den Kosten des neuen Heizungsgesetzes, das von Experten als potenzielle finanzielle Falle für Haushalte und Kommunen, insbesondere in den östlichen Bundesländern, bezeichnet wird.

Die deutsche Energiepolitik erfährt unter Kanzler Friedrich Merz eine heftige Transformation, die sowohl in der Regierungskoalition als auch unter Experten breite Kontroversen auslöst. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte einen Stopp der Förderung für kleine Photovoltaikanlagen auf privaten Gebäudedächern an und begründete dies mit sinkenden Technologiepreisen und der Notwendigkeit einer Budgetoptimierung. Die neue Strategie, die 2027 in Kraft treten soll, setzt auf marktliche Mechanismen zur Preisbildung für Energie aus erneuerbaren Quellen und verzichtet auf staatlichen Interventionismus. Gleichzeitig schockierte Ministerin Reiche die Öffentlichkeit mit dem Postulat, die Erdgasförderung in Deutschland auszuweiten und die Zusammenarbeit mit der Ukraine als Schlüssellieferant für Biogas zu vertiefen, was eine Abkehr von der bisherigen Linie des vollständigen Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen bedeutet. Die politischen Reaktionen auf diese Vorschläge sind extrem gespalten. Die Sozialdemokraten (SPD), Koalitionspartner der CDU/CSU, äußern entschiedenen Widerstand gegen die plötzliche Einstellung der Solarförderung und bezeichnen diese Pläne als „inakzeptabel”. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Matthias Miersch, kündigte an, keinerlei Regelungen zu unterstützen, die Mieter mit den Kosten der Modernisierung von Heizsystemen belasten würden. Der Streit betrifft das neue Heizungstechnologiegesetz, das die umstrittenen Vorschriften der Vorgängerregierung ersetzen soll. Miersch stellt den Mieterschutz als conditio sine qua non für jegliche Einigung dar und befürchtet, dass das Fehlen von Schutzmechanismen zu drastischen Mietsteigerungen führen wird. Seit 2022, infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine, hat Deutschland die tiefgreifendste Revision seiner Energiepolitik in der Geschichte durchlaufen, indem es auf russische Rohstoffe verzichtete und in Rekordzeit Flüssiggasterminals (LNG) errichtete.Die Situation wird zusätzlich durch Warnungen von Experten und lokalen Behörden verkompliziert. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bezeichnete die neuen Regierungspläne als „Kostenfalle” aus langfristiger Perspektive. Ihrer Ansicht nach untergräbt mangelnde Planungssicherheit das Vertrauen von Investoren und Bürgern. Städte aus der ehemaligen DDR warnen ihrerseits vor einer drohenden milliardenschweren Finanzierungslücke bei der Umsetzung lokaler Wärmewendepläne. Kommunalvertreter weisen darauf hin, dass ostdeutsche Ballungsräume ohne staatliche Unterstützung die Kosten für den Infrastrukturaustausch nicht stemmen können, was die sozialen Unterschiede zwischen Ost und West weiter vertiefen würde. Die Kürzung der Solarförderung, obwohl vom Ministerium wirtschaftlich begründet, trifft die kleinsten Investoren, was für viele Beobachter ein Signal für eine ideologische Abkehr von den Klimaschutzprioritäten zugunsten kurzfristiger Einsparungen ist. „Wirtschaftsministerin Reiche fordert Erkundung deutscher Gasvorkommen und setzt auf Ukraine als Biogas-Lieferant” — Katherina Reiche In den Medien tobt eine intensive Debatte über die ethischen und wirtschaftlichen Dimensionen der Reform. Während konservative Kreise die Rückkehr zum Pragmatismus und die Abkehr vom „Klimadiktat” loben, warnen progressive Kreise vor der Verspielung bisheriger Errungenschaften der grünen Energiebranche. Die Photovoltaikbranche warnt, dass der plötzliche Förderstopp zu einer Pleitewelle unter lokalen Installateuren und einer Verlangsamung der Wärmewende im Wohnungssektor führen wird. Diese Situation stellt die Merz-Regierung vor eine große Herausforderung: wie Haushaltsdisziplin mit der Notwendigkeit der Modernisierung des Landes in Einklang gebracht werden kann, ohne gleichzeitig einen Bruch in der Koalition mit der SPD und einen Aufstand der Kommunen zu provozieren.<bias left=