Die europäischen Finanzmärkte beenden das Jahr 2025 in extrem unterschiedlichen Stimmungen. Während globale Versicherungsgiganten wie Swiss Re, AXA und Allianz Rekordgewinne netto und operativ melden, sieht sich die Europäische Zentralbank mit einem dritten Jahresverlust in Folge konfrontiert. Diese Situation spiegelt den Einfluss der Geldpolitik auf Zentralbanken sowie eine außergewöhnlich günstige Phase für den Versicherungssektor wider, der von einer geringeren Anzahl von Naturkatastrophen profitiert.

Rekordgewinne der Versicherer

Swiss Re, AXA und Allianz melden Nettogewinnsteigerungen von mehreren Dutzend Prozent dank einer geringeren Anzahl von Naturkatastrophenschäden und operativer Restrukturierung.

Dritter Jahresverlust der EZB

Die Europäische Zentralbank verzeichnete den dritten Verlust in Folge aufgrund von Zinskosten, was Dividendenzahlungen an die Eurostaaten aussetzt.

Probleme des Zementgiganten

Der Konzern Holcim verzeichnete einen Gewinnrückgang von 73 Prozent, belastet durch die negativen Auswirkungen des starken Frankens auf die Verkaufsergebnisse im letzten Quartal des Jahres.

Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaften

Das BIP Frankreichs stieg 2025 um 0,9% und die Schweizer Wirtschaft wächst gemäß Prognosen und zeigt Stabilität trotz Turbulenzen an den Märkten.

Die Analyse der Finanzergebnisse für das Jahr 2025 zeigt eine tiefe Dichotomie im europäischen Finanzsektor. Die größte Aufmerksamkeit zieht die Lage der Versicherungs- und Rückversicherungsgiganten auf sich. Der schweizerische Swiss Re gab einen Nettogewinn von 4,8 Milliarden US-Dollar bekannt, was einem Anstieg von fast 47 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Dieses Ergebnis überraschte Analysten, und das Management des Unternehmens reagierte mit der Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms. Eine ähnliche Dynamik zeigt der deutsche Munich Re, der seine finanziellen Ziele übertraf, sowie Allianz, die einen operativen Gewinn von 17,4 Milliarden Euro für das kommende Jahr prognostiziert. Die französische Gruppe AXA schloss das Jahr mit einem Nettogewinn von über 8,4 Milliarden Euro ab, was einem Anstieg von 24 Prozent entspricht. Branchenvertreter betonen, dass diese hohen Ergebnisse auf ein Jahrzehnt der Restrukturierung und relativ geringe Schadenszahlungen für Naturkatastrophen im vergangenen Jahr zurückzuführen sind. Die Europäische Zentralbank, gegründet 1998, erwirtschaftete während des größten Teils ihrer Existenz Gewinne, die in die Haushalte der Mitgliedstaaten der Eurozone flossen. Die derzeitigen Schwierigkeiten resultieren aus dem rasanten Zinserhöhungszyklus, der 2022 als Reaktion auf die Inflation begann. Ein völlig anderes Bild ergibt sich aus dem Finanzbericht der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Institution verzeichnete für das Jahr 2025 einen Verlust, was das dritte negative Ergebnis in Folge darstellt – die schlechteste Serie in der Geschichte der Bank. Hauptursache bleiben die Kosten für die Bedienung der Bankreserven bei einem Portfolio festverzinslicher Vermögenswerte, die in Zeiten niedriger Zinsen erworben wurden. Die Frankfurter Bank teilte mit, dass sie erneut keine Dividenden an die Zentralbanken der Mitgliedstaaten, einschließlich der deutschen Bundesbank, ausschütten werde. Dennoch beruhigen die EZB-Behörden, dass diese Situation ihre Fähigkeit zur Durchführung einer effektiven Geldpolitik nicht einschränke, da die vorhandenen Reserven ausreichten, um die negativen Finanzergebnisse zu decken. Außerhalb des Finanzsektors ist die Lage differenzierter. Der Baustoffriese Holcim musste einen drastischen Gewinnrückgang von 73 Prozent verkraften, was das Management mit dem starken Schweizer Franken und einem schwächeren Absatz im vierten Quartal erklärt. Der deutsche Chemiekonzern BASF hingegen konnte dank Sparprogrammen wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Das Wachstum des BIP in Frankreich um 0,9 Prozent im gesamten Jahr 2025 sowie das stabile Wachstum der Schweizer Wirtschaft deuten jedoch darauf hin, dass die Fundamente des europäischen Marktes widerstandsfähig gegenüber globalen Finanzspannungen bleiben.