Der polnische Immobilienmarkt tritt in eine Phase struktureller Veränderungen ein. Laut dem neuesten Bericht der PKO BP ist die Ära der hektischen Investitionskäufe der Jahre 2020–2021 definitiv zu Ende. Während Barinvestoren aufgrund der höheren Rendite alternativer Anlagen zunehmend Zurückhaltung zeigen, kehren Kreditkunden ins Spiel zurück. Dieser Prozess wird durch die Zinssenkungen des vergangenen Jahres unterstützt, die die Kreditfähigkeit polnischer Haushalte real erhöht haben.
Nachlassende Investitionsnachfrage
Barinvestoren zeigen aufgrund der hohen Attraktivität von Anleihen und Einlagen im Vergleich zur Mietrendite geringere Aktivität.
Wiederbelebung des Kreditmarkts
Der Wert neuer Hypotheken im vierten Quartal 2025 überstieg 30 Mrd. Złoty dank der Zinssenkungen des Vorjahres um 1,75 Prozentpunkte.
Neue EU-Regulierungen
Bis zum 20. Mai muss Polen den Markt für kurzfristige Vermietung regeln, was mit der Einrichtung eines zentralen Wohnungsregisters verbunden ist.
Einschränkung von Flipping
Die Regierung erwägt eine Verschärfung der Wohnungsbauprämie, um spekulative Kauf-Renovierung-Verkauf-Transaktionen einzuschränken.
Die Analyse der aktuellen Situation auf dem heimischen Immobilienmarkt zeigt eine deutliche Verlangsamung der Dynamik bei Investitionskäufen. Experten der PKO BP betonen, dass Immobilien bei den derzeitigen Zinsniveaus nicht mehr der einzige „sichere Hafen“ für Kapital sind. Investoren, die während der Pandemie massenhaft Wohnungen bar kauften, lenken ihre Mittel nun häufiger in Richtung Staatsanleihen oder Einlagen, die ein attraktiveres Verhältnis von Rendite zu Risiko bieten. Die relative Attraktivität von Vermietungen ist deutlich gesunken, und die Stabilisierung der Mieten bei hohen Wohnungspreisen schränkt die laufende Rentabilität solcher Vorhaben ein. In den Jahren 2020–2021 wurde der Wohnungsmarkt bei nahezu Nullzinsen und rapide steigender Inflation zur Hauptfluchtrichtung vor dem Wertverlust von Ersparnissen, was zu rekordverdächtigen Preisanstiegen führte.Parallel dazu beobachten wir jedoch eine Belebung im Segment der Käufer, die Wohnungen für den Eigenbedarf erwerben. Daten aus dem Bericht Barometer Metrohouse und Credipass weisen auf Rekordwerte bei neu vergebenen Hypothekendarlehen hin, die im vierten Quartal 2025 die Schwelle von 30 Mrd. Złoty überschritten haben. Das Ausmaß dieses Phänomens ist eine direkte Folge der Entscheidung des Rates für Geldpolitik, die Zinsen insgesamt um 1,75 Prozentpunkte zu senken. Dadurch haben viele Polen ihre Kreditwürdigkeit zurückgewonnen, was zu einer Senkung der monatlichen Rate um etwa 120 Złoty pro 100.000 Złoty geliehenem Kapital führte. Über dem Markt schwebt auch das Damoklesschwert neuer gesetzlicher Regelungen. Polen bereitet sich im Rahmen der EU-Vorgaben darauf vor, den Markt für kurzfristige Vermietung zu ordnen. Die Regierung plant die Einrichtung eines zentralen Registers und die Einführung von Sanktionen für illegale Aktivitäten. Gleichzeitig erwägt das Finanzministerium, das als Flipping bekannte Phänomen einzuschränken, unter anderem durch eine Anpassung der Wohnungsbauprämie. Diese Veränderungen könnten professionelle Akteure zu einer Taktikänderung zwingen und zu einer Professionalisierung des Langzeitmietsektors führen. „Prywatni właściciele mieszkań na wynajem najczęściej posiadają jedno mieszkanie, które zabezpiecza ich majątek. Czują się bardzo niekomfortowo z tym, że państwo zrównało ich z dużymi podmiotami i zobligowało do ponoszenia ciężaru polityki socjalnej.” (Private Wohnungsbesitzer, die vermieten, besitzen meist eine Wohnung, die ihr Vermögen absichert. Sie fühlen sich sehr unwohl damit, dass der Staat sie mit großen Unternehmen gleichgestellt und verpflichtet hat, die Last der Sozialpolitik zu tragen.) — Präsidentin von Fairy Flats, Expertin für den Mietmarkt Die Aussichten für die Jahre 2026–2027 bleiben für Bauträger, die ein stabiles Wachstum der kreditfinanzierten Nachfrage erwarten, mäßig optimistisch. Es wird geschätzt, dass der Wert des Hypothekenportfolios mit einer Rate von über 7 % pro Jahr wachsen könnte. Auch wenn die Ära des spekulativen Booms vorbei ist, bewegt sich der Markt in Richtung größerer Reife, wo die Grundlage die realen Wohnbedürfnisse der Bürger und nicht nur der Wunsch nach schneller Kapitalvermehrung bildet.
Mentioned People
- Ewa Wielgórska — Präsidentin von Fairy Flats, Expertin für den Mietmarkt
- Tomasz Kaleta — Vertreter des Bauträgerunternehmens Develia
- Agata Filipowicz-Rybicka — Direktorin der Abteilung für makroökonomische Analysen bei der Alior Bank