Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) hält sich stabil und hoch in den Umfragen, trotz ständiger Berichte über interne Skandale, wie neueste Analysen und Umfragen vor den Landtagswahlen bestätigen. Politikwissenschaftler erklären dies mit dem Phänomen der Protestpartei, deren Wähler an das anti-establishmentäre Programm und nicht an die Personen der Führungsspitze gebunden sind. Kritiker betonen jedoch, dass diese Resistenz auch das Ergebnis einer tiefen Polarisierung der Gesellschaft und der Abschottung der AfD-Wählerschaft gegenüber Informationen außerhalb ihrer eigenen Medienblase sein könnte.
Stabile Umfragewerte trotz Affären
Analysen und Umfragen zeigen, dass zahlreiche Personalskandale und Korruptionsaffären in der AfD sich nicht wesentlich auf ihre Wahlumfragen auswirken. Die Partei bleibt auf Bundesebene auf dem zweiten Platz und ist in mehreren Ländern die stärkste Oppositionskraft.
Programmgebundene Wählerschaft
Laut Politikwissenschaftlern wie Uwe Jun liegt die Stärke der AfD darin, dass sie eine Programmpartei und nicht auf charismatischen Führern basiert ist. Ihre Wähler stimmen aus Protest gegen das politische Establishment und nicht aus Sympathie für bestimmte Politiker ab.
Skandale verstärken die Botschaft
Für die AfD-Wählerschaft sind Skandalberichte kein Beweis für die Unmoral der Partei, sondern eine Bestätigung der These vom korrupten System. Mainstream-Medien werden als Teil des Establishments wahrgenommen, das die AfD angreift, was paradoxerweise ihre Anhänger noch enger zusammenschweißen kann.
Test vor den Landtagswahlen
Die Resistenz der AfD gegen Imagekrisen wird bei den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg auf die Probe gestellt. Die Ergebnisse werden zeigen, ob das Modell der Protestpartei unter Bedingungen ständig geschürter Konflikte langfristig überleben kann.
Die deutsche politische Bühne kämpft mit einem Paradoxon: Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) bleibt von Skandalwellen unberührt, die bei traditionellen Parteien normalerweise zu drastischen Einbrüchen in den Umfragen führen. Berichte über Nepotismus, Korruptionsverdacht und interne Konflikte schlagen sich nicht in den Umfragen nieder. Die Partei hält konsequent etwa 20 Prozent Zustimmung auf Bundesebene und ist damit die stärkste Oppositionskraft; in einigen ostdeutschen Ländern wie Thüringen und Sachsen überschreitet sie regelmäßig 30 Prozent. „Bei der AfD sind nicht charismatische Führungspersönlichkeiten Träger der Stimmen. Es ist eine Programmpartei. Genau deshalb haben persönliche Affären so wenig Einfluss auf sie.” — Uwe Jun
Den Mechanismus dieser Resistenz beschreibt der Politikwissenschaftler Uwe Jun. Die AfD ist für ihre Wähler in erster Linie ein Vehikel für deutlichen Widerstand gegen das politische Establishment, vertreten durch die regierende Koalition aus SPD, Grünen und FDP, sowie gegen die Migrations- und Klimapolitik. Eine Stimme für die AfD ist eine Proteststimme und kein Ausdruck von Vertrauen in bestimmte Politiker. Wenn daher die Mainstream-Medien – von diesem Wählersegment als Teil des korrupten Systems wahrgenommen – über die nächste Affäre berichten, stärkt dies bei den Parteianhängern die Überzeugung von einer Verschwörung der Eliten gegen die einzig wahre Opposition. Der Skandal wird zum Element der Erzählung, nicht zum Grund, sie aufzugeben.
Das Phänomen der Skandalresistenz von Protestparteien ist in Europa nicht neu. Die französische Front National (heute Rassemblement National) unter der Führung von Marine Le Pen überstand wiederholt interne Krisen und Finanzaffären ohne dauerhaften Schaden für die Unterstützung ihrer Stammwählerschaft. Ähnlich hielt die italienische Lega unter Matteo Salvini trotz Kontroversen um die Person des Führers stabile Umfragewerte. Entscheidend scheint die tiefe Identifikation der Wähler mit der anti-establishmentären Botschaft zu sein, die die individuellen Fehler von Politikern überwiegt.
Dieser Mechanismus wird bald einem Praxistest unterzogen. Bei den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg hat die AfD die Chance, ihre Position zu festigen und sogar als stärkste Kraft aufzutreten. Bisherige Skandale, wie jene über Parteifinanzierung oder beleidigende Äußerungen ihrer Politiker, haben keinen Rückzug ihrer Anhänger bewirkt. Darüber hinaus baut die Partei erfolgreich ihr eigenes Medienökosystem auf, bestehend aus Online-Portalen und Kanälen in sozialen Medien, das ihre Wählerschaft effektiv von von außen kommender Kritik isoliert und eine alternative Erzählung bietet. Diese Abschottung in der „Informationsblase” erschwert es zusätzlich, mit Argumenten der Kritiker durchzudringen.
Perspektywy mediów: Linksliberale Medien wie die „Süddeutsche Zeitung” oder „Die Zeit” stellen die Resistenz der AfD als beunruhigendes Symptom einer tiefen Vertrauenskrise in die liberale Demokratie und den Zerfall eines gemeinsamen Faktenraums dar. Rechte und konservative Medien, die oft mit der AfD sympathisieren, interpretieren dieselben Daten als Beweis für die Heuchelei des Establishments und die Richtigkeit des anti-systemischen Aufbegehrens und betonen, dass die Wähler endlich die Wahrheit sähen.
Mentioned People
- Uwe Jun — Deutscher Politikwissenschaftler, Professor an der Universität Trier, der die Skandalresistenz der AfD kommentiert.