Die europäischen Finanzmärkte präsentieren ein äußerst differenziertes Bild. Während der Automobilsektor mit gigantischen Verlusten aus der kostspieligen Transformation kämpft, melden die Rüstungs- und Energiebranche Rekordergebnisse. Der italienische Leonardo und der deutsche Hensoldt profitieren von der Remilitarisierungswelle, und Giganten wie Eni oder E.ON monetarisieren die Rohstoffhausse sowie Investitionen in die Übertragungsinfrastruktur, wie die jüngsten Jahresberichte der Unternehmen bestätigen.

Rekordergebnisse der Rüstungsindustrie

Leonardo und Hensoldt melden riesige Auftragsbestände und profitieren von den Verteidigungsausgaben der NATO-Staaten für moderne Technologien.

Energiebranche setzt auf Netze

E.ON plant, 48 Mrd. Euro in die Übertragungsinfrastruktur zu investieren, um die Entwicklung des KI-Sektors in Europa zu unterstützen.

Optimismus am Goldmarkt

JP Morgan prognostiziert einen Anstieg des Goldpreises auf 6300 USD pro Unze im Jahr 2026, was die Sorgen der Anleger um die Stabilität der Währungen signalisiert.

Restrukturierung in der Industrie

Der Hersteller von Küchengeräten SEB plant die Streichung von 2100 Arbeitsplätzen als Reaktion auf sich verändernde Nachfragebedingungen auf den globalen Märkten.

Eine Analyse der Finanzergebnisse führender europäischer Konzerne für das Jahr 2025 offenbart tiefe Risse in der Verfassung einzelner Wirtschaftssektoren. An der Spitze der Wachstumsbranchen steht die Verteidigungsindustrie, wo der italienische Konzern Leonardo die Finanzprognosen übertraf, seine Verschuldung reduzierte und einen sprunghaften Anstieg des Auftragsbestands verzeichnete. Eine ähnliche Tendenz zeigt der deutsche Hensoldt, der trotz verfehlter Umsatzerwartungen eine Rekordzahl an Verträgen dank der globalen Nachfrage nach Radarsystemen und militärischer Elektronik ansammelte. Diese Situation wird zusätzlich durch den angekündigten Vertrag des britischen Verteidigungsministeriums zum Kauf von Hubschraubern stabilisiert, der in den kommenden Tagen formalisiert werden soll. Im Energie- und Rohstoffsektor dominiert Optimismus, angetrieben von hohen Preisen und strategischen Verschiebungen in der Förderung. Das italienische Eni meldete einen Anstieg des bereinigten Nettoergebnisses um 35 %, was auf Erfolge im Upstream-Segment, insbesondere in Angola und Norwegen, zurückzuführen ist. Gleichzeitig erhöht der deutsche E.ON die Aufwendungen für die europäische Energiearchitektur und sieht in der Modernisierung der Netze den Schlüssel zur Bewältigung der wachsenden Nachfrage, die durch Rechenzentren und künstliche Intelligenz generiert wird. Auf den Edelmetallmärkten haben Analysten von JP Morgan die Goldpreisprognosen radikal angehoben und prognostizieren ein Erreichen von 6300 Dollar pro Unze bis Ende 2026, was die erwartete geopolitische Unsicherheit widerspiegelt. Diese Situation erinnert an die Zeit des Kalten Krieges, als Rüstungsausgaben ein wichtiger wachstumsfördernder Impuls für die westlichen Volkswirtschaften waren, doch die derzeitige Dynamik wird zusätzlich durch die Notwendigkeit kompliziert, gleichzeitig die emissionsarme Transformation zu finanzieren.Ein Schatten auf diesen Ergebnissen liegt jedoch auf den Problemen des Dienstleistungs- und Luftfahrtsektors. Der Londoner Flughafen Heathrow verzeichnete einen Rückgang der Jahresgewinne um mehr als ein Drittel, trotz der schrittweisen Rückkehr der Passagierzahlen auf Vorkrisenniveau. Der Konzern SEB, Hersteller von Haushaltsgeräten der Marke Tefal, kündigte im Rahmen von Kostensenkungsmaßnahmen den Abbau von bis zu 2100 Arbeitsplätzen weltweit an. In der Pharmabranche verzeichnen Sandoz und Rovi Zuwächse dank Generika und Spezialmedikamenten, was darauf hindeutet, dass defensive Sektoren neben der Rüstungsindustrie im Jahr 2026 zu einem sicheren Hafen für Kapital werden. „Our operational agility and strong demand for defence technologies allowed us to beat 2025 guidance.” (Unsere operative Agilität und die starke Nachfrage nach Verteidigungstechnologien ermöglichten es uns, die Prognosen für 2025 zu übertreffen.) — CEO des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo

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