Die Zukunft von Tricia Tuttle, der Direktorin des Berlinale, bleibt ungewiss nach einem politisch-kulturellen Streit, der durch Äußerungen einiger Preisträger über den Krieg im Gazastreifen ausgelöst wurde. Nach Krisenberatungen in Berlin soll die Festivalchefin weiterhin die Institution leiten, doch der Druck von Teilen der Politik und Kommentare über eine angebliche Politisierung der Veranstaltung lassen nicht nach. Gleichzeitig wächst die Welle der Solidarität von Filmschaffenden und der israelischen Gemeinschaft.
Krise nach Kommentaren über Gaza
Äußerungen einiger Preisträger über den Krieg im Gazastreifen lösten eine Debatte über die Grenzen politischer Erklärungen auf der Festivalbühne und die Verantwortung der Organisatoren aus.
Tuttle bleibt, aber ohne endgültige Klärung
Nach Krisenberatungen behält die Direktorin ihre Position, doch einige Berichte betonen, dass ihre Zukunft weiterhin von weiteren Entscheidungen und der Bewertung der Behörden abhängt.
Streit über die Rolle des Staates
Politiker und für Kulturpolitik Verantwortliche mischten sich in die Diskussion ein; sowohl mögliche Einmischung als auch unzureichende Reaktion des Festivals wurden kritisiert.
Unterstützungsschreiben von Filmschaffenden
Hunderte von Filmschaffenden und ein Teil des Festivalpersonals erklärten sich solidarisch mit der Direktorin und wiesen auf das Risiko eines Präzedenzfalls hin, wenn Personalentscheidungen unter politischem Druck getroffen würden.
Unterstützung aus Israel für Tuttle
Einige Vertreter der israelischen Filmindustrie, darunter Regisseur Tom Shoval, verteidigten die Direktorin und betonten, dass Festivals Streit und offene Debatte zulassen müssen.
Die Krise um das Berlinale verschärfte sich, nachdem bei den Abschlussreden der ausgezeichneten Filmschaffenden politische Kommentare zum Krieg im Gazastreifen fielen, die einige deutsche Politiker und Kommentatoren als Überschreitung der Grenzen zulässiger Debatte und als Ausdruck von Antisemitismus oder einseitiger Agitation werteten. Im Zentrum des Streits steht Tricia Tuttle, der einige Kritiker eine unzureichende Reaktion der Organisatoren vorwerfen. Neuere Berichte deutscher Medien deuten darauf hin, dass Tuttle nach Krisensitzungen „vorerst” im Amt bleibt, aber ihre weitere Position nicht endgültig geklärt ist. Der Streit betraf auch die Rolle des Staates bei der Verwaltung einer öffentlich finanzierten Veranstaltung, einschließlich des Einflusses des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Wolfram Weimer, dessen Handeln unter anderem von Claudia Roth kritisiert wurde. Der Berliner Bürgermeister Kai Wegner sagte, das Festival solle nicht für Propaganda genutzt werden, und Politiker der CDU/CSU signalisierten die Notwendigkeit einer „Neuausrichtung” der Veranstaltung. Das Berlinale entstand 1951 im geteilten West-Berlin als Projekt von kultureller und politischer Bedeutung. 1970 wurde das Festival nach einem Streit über einen Film und den Vietnamkrieg unterbrochen, was zu einem der historischen Beispiele für Konflikte zwischen Kunst und Politik wurde. Seit Jahrzehnten bleibt die Veranstaltung ein Ort, an dem internationale Themen regelmäßig in die Diskussionen über Kino einfließen. „Berlinale darf nicht für Propaganda genutzt werden” — Kai Wegner Parallel gab es eine starke Gegenreaktion der Filmszene. Nach verschiedenen Berichten unterzeichneten Hunderte von Filmschaffenden Listen und Appelle zur Unterstützung, und einige Medien nannten höhere Zahlen; die Unterzeichner warnten vor politischem Druck und dem Risiko, dass der Rücktritt der Chefin ein Signal für Zensur oder manuelle Steuerung der Kultur werden könnte. Unterstützung für Tuttle kam auch von Teilen der israelischen Gemeinschaft; der israelische Regisseur Tom Shoval gehörte zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes zur Verteidigung der Direktorin, in dem Vertreter der israelischen Filmindustrie die Bedeutung des Berlinale als Debattenraum betonten und sich gegen die Zensur von Ansichten aussprachen. Aufseiten der deutschen Politiker gab es jedoch Stimmen, Tuttle nicht zum „Bauernopfer” in einem Streit zu machen, der durch Äußerungen der Preisträger ausgelöst wurde. „Bauernopfer” — Katrin Göring-Eckardt
Mentioned People
- Tricia Tuttle — Direktorin des Berlinale, deren Zukunft nach Äußerungen von Preisträgern über den Krieg im Gazastreifen zum Streitpunkt wurde.
- Wolfram Weimer — Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien; sein Umgang mit dem Streit um das Berlinale wurde unter anderem von Oppositionspolitikern und ehemaligen Regierungsmitgliedern kritisiert.
- Kai Wegner — Bürgermeister von Berlin; forderte, dass das Berlinale nicht für Propaganda genutzt werden soll.
- Claudia Roth — Deutsche Politikerin; kritisierte den Umgang von Wolfram Weimer mit dem Streit um das Berlinale.
- Katrin Göring-Eckardt — Deutsche Politikerin der Grünen; warnte davor, die Festivaldirektorin zum "Bauernopfer" zu machen.
- Tom Shoval — Israelischer Regisseur; unterstützte Tricia Tuttle öffentlich während der Kontroverse.