Außenminister Radosław Sikorski hat im Sejm eine Information über die Aufgaben der polnischen Außenpolitik für das Jahr 2026 vorgelegt. Die Rede wurde von der Frage des Krieges in der Ukraine, der Zukunft der transatlantischen Beziehungen und Kontroversen um das SAFE-Programm dominiert. Die Opposition kritisierte den Außenminister scharf und warf ihm unter anderem die Verwendung einer Sprache vor, die die Würde des Staates verletze, sowie eine angebliche Politisierung der Diplomatie im Kontext der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen.
Kontroverse Worte über Trottel
Sikorski erklärte, Polen dürfe in den Beziehungen zu den USA kein „Frajer” sein, was die Opposition als inakzeptable diplomatische Sprache bewertete.
Patt beim SAFE-Programm
Der Minister beschuldigte Präsident Karol Nawrocki, das Sicherheitsgesetz aus parteipolitischen Motiven zu blockieren.
Moderne Kommunikation auf Roblox
Ausschnitte des Exposés wurden auf der Gaming-Plattform übertragen, was als Versuch gewertet wurde, junge Wähler zu erreichen.
Vorwürfe des Polexit-Willens
Während der Debatte warf Sikorski Recht und Gerechtigkeit vor, Polen aus der Europäischen Union führen zu wollen.
Der Auftritt von Radosław Sikorski im Sejm wurde zur Arena eines beispiellosen ideologischen Schlagabtauschs zwischen Regierung und Opposition. Der Chefdiplomat entwarf eine pessimistische, aber realistische Vision einer Weltordnung, deren Grundlagen vom Ausgang des Krieges in der Ukraine abhängen. Ein Schlüsselelement des Exposés war die Warnung, dass Polen in den Beziehungen zu den USA nicht die Haltung eines „Frajers” einnehmen dürfe, was eine sofortige Reaktion der Politiker von Recht und Gerechtigkeit hervorrief. Mateusz Morawiecki und Zbigniew Rau bewerteten diese Formulierung als skandalös und schädlich für das internationale Prestige des Staates. Kritik gab es auch am Auslassen der Frage der Kriegsreparationen von Deutschland, was Arkadiusz Mularczyk als Beweis für die Unterwürfigkeit der Regierung gegenüber Berlin wertete. Die polnische Diplomatie sucht seit der Zwischenkriegszeit einen Ausgleich zwischen dem Bündnis mit den westlichen Großmächten und dem Aufbau regionaler Sicherheit, was historisch das Konzept der „Politik der zwei Stühle” oder „Zwischenmeer” definierte. Ein wesentlicher Streitpunkt bleibt das Programm SAFE, das zum Spielball im Konflikt zwischen dem Außenministerium und Präsident Karol Nawrocki wurde. Sikorski warf dem Staatsoberhaupt vor, die Unterzeichnung wichtiger Vorschriften aus parteipolitischen Gründen absichtlich zu verzögern. Die Atmosphäre wurde durch die ungewöhnliche Nutzung der Plattform Roblox zur Bewerbung ausgewählter Themen der Rede angeheizt, was Kommentatoren als Element einer inoffiziellen Präsidentschaftskampagne des Ministers werteten. Gleichzeitig kam es auf den Sejmbänken zu einem heftigen Wortwechsel mit Antoni Macierewicz, dem Sikorski frühere Vorwürfe der Begünstigung ausländischer Agenten vorhielt. „Poland is not and will not be anyone's sucker. Our alliance with the US must be based on mutual respect and hard interests.” (Polen ist nicht und wird niemands Trottel sein. Unser Bündnis mit den USA muss auf gegenseitigem Respekt und harten Interessen basieren.) — Radosław Sikorski Aus internationaler Perspektive wurde Sikorskis Auftritt unter anderem von der Nachrichtenagentur Reuters vermerkt, die auf die Entwicklung der polnischen Position gegenüber der strategischen Autonomie Europas hinwies. Experten weisen darauf hin, dass die Regierung zwar den Wunsch nach einer verstärkten Präsenz amerikanischer Truppen erklärt, sich aber gleichzeitig auf ein Szenario geringeren Engagements Washingtons für die Sicherheit des Kontinents vorbereitet. Die Debatte zeigte einen tiefen Graben zwischen der von Sikorski präsentierten Vision eines „aktiven Polens in einer starken Union” und dem Postulat einer „assertiven Souveränität”, das von der durch Mateusz Morawiecki und Krzysztof Bosak vertretenen Opposition eingefordert wird.
Mentioned People
- Radosław Sikorski — Außenminister der Republik Polen, Autor des Exposés.
- Karol Nawrocki — Präsident der Republik Polen (futurologischer Kontext der Artikel), beschuldigt, Gesetze zu blockieren.
- Mateusz Morawiecki — Ehemaliger Ministerpräsident, führender Oppositionskritiker des Exposés.
- Zbigniew Rau — Ehemaliger Außenminister, kritisierte Stilistik und Substanz des Auftritts.
- Antoni Macierewicz — PiS-Abgeordneter, von Sikorski wegen früherer Vorwürfe konfrontiert.