Die politische und landwirtschaftliche Szene Polens sieht sich mit den Konsequenzen einer Affäre um kontaminiertes Rindfleisch aus Brasilien konfrontiert. Das Landwirtschaftsministerium beruhigt, dass die beanstandeten Fleischpartien nicht auf den heimischen Markt gelangt seien, doch die Opposition fordert die Entlassung von Vizelandwirtschaftsminister Stefan Krajewski. Im Hintergrund des Streits um Lebensmittelsicherheit laufen Verhandlungen über das Mercosur-Abkommen und mögliche Düngemittelpreissenkungen, die die dramatische finanzielle Lage der Landwirte verbessern sollen.
Affäre mit Rindfleisch aus Brasilien
Ein EU-Alarm über kontaminiertes Fleisch löste Panik aus, aber das Ministerium versichert, dass die kontaminierten Partien nicht in polnische Geschäfte oder Großhandelslager gelangt sind.
Antrag auf Entlassung Krajewskis
Ein Sejm-Ausschuss wird einen Antrag auf Abberufung des Vizelandwirtschaftsministers prüfen, im Zusammenhang mit Vorwürfen der Trägheit bei der Reaktion auf die Gesundheitsgefahr.
Mögliche Düngemittelpreissenkungen
Brüssel bereitet ein Hilfspaket vor, das eine Aussetzung der Zölle auf Düngemittel vorsieht, um Landwirte zu unterstützen, die mit hohen Kosten kämpfen.
Die Kontroversen um den Fleischimport aus südamerikanischen Ländern haben sich verschärft, nachdem bekannt wurde, dass die polnischen Behörden bereits seit November letzten Jahres von der Kontamination brasilianischen Rindfleischs gewusst haben könnten. Das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (MRiRW) gab eine offizielle Mitteilung heraus, in der es betont, dass keine der von der EU mit einem Sanitär-Alert belegten Tiefkühlpartien für den Handel in Polen zugelassen wurde. Dennoch muss sich Vizeminister Stefan Krajewski einem Antrag auf ein Misstrauensvotum stellen, der in einem Sejm-Ausschuss zur Abstimmung gestellt wird. Die Opposition wirft der Führung des Ministeriums Trägheit und mangelnde Transparenz bei der Information der Öffentlichkeit über die Gefahren vor. Die Imagekrise fällt mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage auf dem Land zusammen, wo niedrige Getreidepreise in den Lagerhäusern mit hohen Produktionskosten kontrastieren. Jan Krzysztof Ardanowski, ehemaliger Landwirtschaftsminister, warnt, dass sich das polnische Land seit Jahren nicht in einem so tiefen Niedergang befunden habe. Hoffnung auf eine Verbesserung der Rentabilität gibt jedoch die Initiative der Europäischen Kommission, die eine zeitweise Aussetzung der Zölle auf Düngemittel erwägt. Ein solcher Schritt könnte die Betriebskosten der Höfe erheblich senken, obwohl Brüssel gleichzeitig zusätzliche Subventionen für den Schweinesektor ablehnt und dies mit einer fortschreitenden Marktstabilisierung begründet. Diese Maßnahmen sind Teil einer breiteren Debatte über die künftige Gestaltung der GAP nach 2027. Seit 2004, dem Zeitpunkt des EU-Beitritts, musste sich die polnische Landwirtschaft an einige der strengsten sanitär- und veterinärrechtlichen Normen der Welt anpassen, was Polen zu einem führenden Lebensmittelexporteur in der Region gemacht hat. In den internationalen Beziehungen befindet sich Polen in einer besonderen Lage. Einerseits bemüht sich das Landwirtschaftsministerium um eine Beschleunigung der Verfahren, die den Export polnischer Äpfel auf den brasilianischen Markt ermöglichen, andererseits fordern landwirtschaftliche Kreise eine Blockade des Abkommens mit Mercosur. Politiker der PiS rechnen vor, dass der Regierung nur noch wenige Tage bleiben, um die Rechtmäßigkeit dieses Abkommens beim Gerichtshof der Europäischen Union anzufechten. Die Lage wird durch Berichte über fehlende Unterstützung Brüssels für Schweineproduzenten verkompliziert, was die stellvertretende MRiRW-Ministerin Małgorzata Gromadzka zu mildern versucht, indem sie auf die richtige Diagnose der Bedürfnisse der östlichen Regionen durch die Kommission verweist. Die endgültigen Entscheidungen über die Zukunft von Minister Krajewski und die Strategie gegenüber Importen aus Südamerika werden die kommende Woche im Parlament dominieren. „Nigdy nie pozwolimy, by na polskie stoły trafiła żywność niespełniająca naszych wyśrubowanych norm jakościowych.” — Stefan Krajewski
Mentioned People
- Stefan Krajewski — Vizelandwirtschaftsminister, gegen den ein Abberufungsantrag gestellt wurde.
- Jan Krzysztof Ardanowski — Ehemaliger Landwirtschaftsminister, der die aktuelle Regierungspolitik kritisiert.
- Małgorzata Gromadzka — Stellvertretende Ministerin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung.