Die amerikanische Bundesregierung setzt einen weitreichenden Plan um, große Lagerhallen in Haft- und Abschiebezentren für Migranten umzuwandeln. Die Initiative, finanziert aus dem erweiterten Budget des Heimatschutzministeriums, stößt auf scharfen Widerstand lokaler Behörden, Bürgerrechtsgruppen und Kirchenvertreter, die den Plan mit Lagern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs vergleichen.
Plan für 100.000 Plätze
Immigration and Customs Enforcement (ICE) kauft Lagerhallen in über zwanzig Städten, um Platz für bis zu 100.000 Menschen zu schaffen.
45 Milliarden Dollar aus dem Haushalt
Die Expansion wird aus einem Haushaltspaket im Wert von 45 Milliarden Dollar finanziert, das die Mittel des Heimatschutzministeriums deutlich erhöht.
Widerstand lokaler Gemeinschaften
Lokale und bundesstaatliche Behörden kritisieren die Geheimhaltung der Verfahren. Einige Städte, selbst solche, die Trump unterstützen, wie Social Circle in Georgia, äußern Widerstand.
Scharfe Kritik der US-Bischöfe
Amerikanische katholische Bischöfe verurteilten den Plan, nannten ihn einen "moralischen Wendepunkt" und verglichen die riesigen Lagerhallen mit Lagern aus der Kriegszeit.
Vereinfachte militärische Verfahren
Die Regierung nutzt teilweise militärische Bauverträge, die eine schnellere Umsetzung bei eingeschränkter öffentlicher Kontrolle ermöglichen.
Die Regierung von Präsident Donald Trump beschleunigt die Umsetzung eines umstrittenen Plans zum massiven Ausbau des Einwandererhaftsystems. Ein Schlüsselelement der Strategie ist der Kauf großer Lagerhallen in über zwanzig Städten der Vereinigten Staaten und deren Umbau zu Haftzentren. Laut der deutschen Zeitung „Die Welt“ soll die neue Infrastruktur bis zu 100.000 Menschen aufnehmen können. Die Investition wird aus einem 45-Milliarden-Dollar-Haushaltspaket finanziert, das die Mittel der Agentur ICE und des gesamten Heimatschutzministeriums deutlich aufstockt. Die Umsetzung der Investition stößt bereits beim Immobilienkauf auf Widerstand. Wie „The Independent“ berichtet, ziehen sich einige Lagerhallenbesitzer unter dem Druck lokaler Gemeinschaften aus vorab vereinbarten Transaktionen zurück. Stadtverwaltungen beklagen mangelnde Konsultation und Informationen. Die britische Zeitung beschreibt einen Fall, in dem ICE eine Halle mit einer Fläche von 418.000 Quadratfuß kaufte, bevor lokale Beamte überhaupt von den Plänen der Behörde erfuhren. Diese als „verdeckte Ziele“ bezeichnete Taktik weckt besondere Besorgnis in Gemeinden, die negative Auswirkungen großer Haftzentren auf ihr Image und ihre Sicherheit befürchten. Die Einwanderungspolitik ist seit Jahrzehnten eines der am stärksten polarisierenden Themen in den USA. Die Trump-Administration (2017-2021) führte unter anderem die umstrittene „Zero Tolerance“-Politik ein, die zur Trennung von Migrantenfamilien führte und international verurteilt wurde. Die aktuellen Maßnahmen sind Teil einer breiteren Strategie zur Verschärfung der Kontrollen an der Grenze zu Mexiko und zur Beschleunigung von Abschiebungen. Die Proteste beschränken sich nicht auf Kommunalverwaltungen. Wie „Il Sole 24 Ore“ berichtet, haben amerikanische katholische Bischöfe eine scharf verurteilende Erklärung abgegeben. Die Kirchenvertreter vergleichen die geplanten riesigen Zentren mit Lagern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und fordern zur Besinnung auf. „"The thought of keeping thousands of families in huge warehouses should test the conscience of every American. Whatever their immigration status, they are human beings created in the image and likeness of God and this is a 'moral turning point' for our country."” — US-amerikanische Bischofskonferenz Der Widerstand erreicht sogar traditionell republikanisch geprägte Orte. Ein Artikel bei „Bloomberg Business“ beschreibt die Situation in Social Circle in Georgia, einer Stadt, die in der Vergangenheit für Trump gestimmt hat. Die Einwohner äußern Empörung darüber, dass ihre „beste Kleinstadt in Georgia“ für ein „abscheuliches“ Lager für Einwanderer bekannt werden könnte. Die Bundesregierung nutzt umstrittene rechtliche Mechanismen, um die Arbeiten zu beschleunigen. „Die Welt“ weist darauf hin, dass die Regierung für Bau und Anpassung der Einrichtungen teilweise auf Militärverträge zurückgreift. Solche Verfahren können außerordentlich schnell und mit deutlich eingeschränkter öffentlicher Kontrolle sowie geringeren Ausschreibungsanforderungen durchgeführt werden, was zusätzliche Zweifel an der Transparenz des gesamten Vorhabens weckt. Die spanische „La Vanguardia“ fasst die Stimmung zusammen und verwendet den Begriff „repudio“ (Verurteilung), um die Reaktion von Bundesstaaten, lokalen Behörden und Bürgerrechtsgruppen auf die Pläne der Regierung zu beschreiben. Der fehlende Dialog und die Vorgehensweise der ICE legen nahe, dass die Regierung den Plan trotz des breiten Widerstands fortsetzen will.
Mentioned People
- Donald Trump — Präsident der Vereinigten Staaten, dessen Regierung den Ausbauplan für Haftzentren der ICE umsetzt.