Daten des französischen Übertragungsnetzbetreibers RTE zeigen, dass der nationale Stromverbrauch im Jahr 2025 auf einem stabilen Niveau blieb und nur um 0,4 % auf 451 Terawattstunden stieg. Obwohl das Land eines der emissionsärmsten und kostengünstigsten Energiesysteme Europas besitzt, das auf Kernenergie basiert, machen fossile Brennstoffe immer noch mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauchs in Frankreich aus. Experten weisen darauf hin, dass die Stagnation der Elektrifizierungsrate, also des Anteils von Strom am Endenergieverbrauch, ein deutliches Signal für Verzögerungen in der Transformation von Sektoren wie Verkehr und Heizung ist, die nach wie vor auf Öl und Gas angewiesen sind. Diese Situation stellt die Erreichung der ehrgeizigen Klimaziele des Landes in Frage.
Minimaler Anstieg des Stromverbrauchs
Der Stromverbrauch in Frankreich betrug im Jahr 2025 451 TWh, was einem Anstieg von lediglich 0,4 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht und etwa 6 % unter dem Durchschnittsniveau der Jahre 2014-2019 liegt, vor der Pandemie und der Energiekrise.
Dominanz fossiler Brennstoffe
Trotz eines emissionsarmen Energiemixes machen fossile Brennstoffe – Kohle, Öl und Gas – immer noch 56 % des Endenergieverbrauchs in Frankreich aus. Das bedeutet, dass das Land seinen günstigen und sauberen Strom nicht nutzt, um fossile Brennstoffe in anderen Wirtschaftssektoren zu ersetzen.
Stagnation der Elektrifizierungsrate
Der Schlüsselindikator für den Anteil von Strom am Endenergieverbrauch, der sogenannte Elektrifizierungsgrad, zeigt keinen Anstieg. Dies ist ein Signal dafür, dass der Prozess der Ersetzung fossiler Brennstoffe durch Strom in Verkehr, Heizung und Industrie praktisch zum Stillstand gekommen ist.
Ungenutzter nuklearer Vorteil
Frankreich verfügt mit über 56 GW Leistung in Kernkraftwerken über eines der emissionsärmsten und preislich wettbewerbsfähigsten Energiesysteme Europas. Dieser Vorteil führt jedoch nicht zu einer beschleunigten Dekarbonisierung der übrigen Wirtschaftssektoren.
Die französische Energiewende ist ins Stocken geraten, obwohl das Land eines der emissionsärmsten und kostengünstigsten Stromerzeugungssysteme Europas besitzt. Wie die neuesten Daten des Übertragungsnetzbetreibers RTE zeigen, erreichte der Stromverbrauch in Frankreich im Jahr 2025 einen Wert von 451 Terawattstunden, was einem Anstieg von lediglich 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Noch bedeutsamer ist, dass dieser Verbrauch immer noch etwa 6 % unter dem Durchschnitt der Jahre 2014-2019 liegt, der Zeit vor der COVID-19-Pandemie und der durch den russischen Einmarsch in die Ukraine ausgelösten Energiekrise. Die besorgniserregendste Schlussfolgerung aus dem Bericht ist jedoch die Stagnation eines Schlüsselindikators der Transformation – des Elektrifizierungsgrads des Landes. Olivier Houvenagel von RTE wies darauf hin, dass der Anteil von Strom am Endenergieverbrauch, der für den Ersatz fossiler Brennstoffe entscheidend ist, nicht gestiegen ist. „„Surtout, on constate que la part de l'électricité dans la consommation d'énergie finale, donc le taux d'électrification du pays, n'a pas non plus augmenté.”” („Vor allem stellt man fest, dass der Anteil von Strom am Endenergieverbrauch, also der Elektrifizierungsgrad des Landes, ebenfalls nicht gestiegen ist.“) — Vertreter des französischen Übertragungsnetzbetreibers RTE, der die Daten zum Energieverbrauch kommentiert Das bedeutet, dass Sektoren wie Verkehr, Gebäudeheizung oder Teile der Industrie nach wie vor in entscheidendem Maße auf Erdöl, Erdgas und Kohle angewiesen sind, die zusammen satte 56 % des französischen Energiemixes ausmachen. Frankreich investiert seit Jahrzehnten in die Kernenergie und begann sein massives Programm zum Bau von Atomkraftwerken nach der Ölkrise in den 1970er Jahren. Dadurch erlangte es Energieunabhängigkeit, niedrige Strompreise für Industrie und Privathaushalte und einen der niedrigsten CO2-Fußabdrücke bei der Stromerzeugung in Europa. Dieser historische Vorteil sollte nach Ansicht von Analysten heute ein Katalysator für eine beschleunigte Dekarbonisierung der gesamten Wirtschaft sein. Stattdessen zeigen die Daten, dass er weitgehend ungenutzt bleibt. Der stabile Stromverbrauch wird nicht als Erfolg der Energieeffizienz, sondern als Zeichen einer Stagnation in wichtigen Modernisierungsprozessen interpretiert. Dieses Problem ist besonders im Verkehrssektor sichtbar, wo trotz steigender Verkäufe von Elektroautos ihr Anteil am gesamten Fahrzeugbestand und der Übergang zur Elektromobilität im Schwerlast- und öffentlichen Verkehr zu langsam voranschreiten, um den Ölverbrauch signifikant zu senken. Ähnlich verhält es sich im Gebäudesektor, wo der Austausch veralteter Gas- und Ölheizungen gegen mit sauberem Strom betriebene Wärmepumpen nicht das für die Erreichung der Klimaziele notwendige Ausmaß erreicht.56% — des Endenergieverbrauchs in Frankreich stammt aus fossilen Brennstoffen Diese Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas hält das Land in der Falle von CO2-Emissionen und der Anfälligkeit für Preisschwankungen auf den globalen Rohstoffmärkten. Ohne eine radikale Beschleunigung der Elektrifizierung dieser Sektoren könnte Frankreich seine Verpflichtungen im Rahmen des europäischen Green Deals und der nationalen Energiestrategie, die Klimaneutralität bis 2050 vorsieht, nicht erfüllen. Die derzeitige Stagnation des Stromverbrauchs spiegelt somit nicht nur technologische und investive Herausforderungen wider, sondern auch mögliche Defizite bei Anreizpolitiken, Regulierungen sowie der Lade- und Verteilinfrastruktur, die für eine echte Energierevolution notwendig sind.
Mentioned People
- Olivier Houvenagel — Vertreter des französischen Übertragungsnetzbetreibers RTE, der die Daten zum Energieverbrauch kommentiert