Stefan Wolf, Präsident des zentralen Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, hat eine radikale Änderung im System der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vorgeschlagen. Er will, dass Arbeitgeber das Krankengeld erst ab dem zweiten Tag der Abwesenheit zahlen, und nicht wie bisher ab dem ersten. Er fordert zudem die Abschaffung der Möglichkeit, eine Krankschreibung telefonisch zu erhalten. Diese Vorschläge, die mit einem hohen Krankenstand und dem Kampf gegen Missbrauch begründet werden, stießen auf scharfe Kritik der Gewerkschaften, die darin einen Angriff auf Arbeitnehmerrechte und eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit sehen.
Lohnfortzahlung ab dem zweiten Krankheitstag
Stefan Wolf, Chef des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, schlägt vor, dass Arbeitgeber das Krankengeld erst ab dem zweiten Tag der Abwesenheit zahlen. Derzeit steht die Zahlung gesetzlich ab dem ersten Tag zu. Wolf argumentiert, die Änderung solle Arbeitnehmer motivieren, schneller gesund zu werden, und Missbrauch einschränken.
Abschaffung der telefonischen Krankschreibung
Wolfs zweite Forderung ist die Abschaffung der Möglichkeit, eine Krankschreibung telefonisch zu erhalten, die 2023 im deutschen Recht verankert wurde. Seiner Meinung nach würde die Notwendigkeit eines persönlichen Arztbesuchs die Glaubwürdigkeit der Krankschreibungen erhöhen. Gewerkschaften und Ärzte befürchten, dass dies das Gesundheitssystem belast und von der Isolation bei leichten Infekten abschreckt.
Scharfe Reaktion der Gewerkschaften
Wolfs Vorschläge stießen auf sofortigen Widerstand der größten deutschen Gewerkschaften, IG Metall und Verdi. Kritiker werfen vor, die Idee greife Arbeitnehmerrechte an, wälze Krankheitskosten auf Arbeitnehmer, insbesondere Geringverdiener, ab und könnte Kranke zwingen, zur Arbeit zu kommen, was die Verbreitung von Infektionen begünstige.
Hintergrund: Hoher Krankenstand
Die Debatte findet vor dem Hintergrund des anhaltend hohen Krankenstands in Deutschland statt. Arbeitgeber, vertreten durch Wolf, sehen in gelockerten Regeln wie telefonischen Krankschreibungen eine Ursache für dieses Phänomen. Gewerkschaften verweisen auf andere Faktoren, darunter tatsächliche Erkrankungen und Arbeitsbedingungen.
Die Debatte über das deutsche System der Krankschreibung verschärft sich nach kontroversen Vorschlägen von Stefan Wolf, dem Präsidenten des zentralen Arbeitgeberverbands der Metall- und Elektroindustrie Gesamtmetall. In Interviews mit Medien, darunter der „Die Welt“ und „n-tv“, stellte Wolf zwei Hauptideen vor: die Zahlung des Krankengeldes durch den Arbeitgeber erst ab dem zweiten Tag der Abwesenheit sowie die vollständige Abschaffung der Möglichkeit, eine Krankschreibung telefonisch zu erhalten. Derzeit hat ein Arbeitnehmer auf Grundlage des Gesetzes von 2023 Anspruch auf Lohnfortzahlung ab dem ersten Krankheitstag und kann eine telefonische Krankschreibung erhalten. Wolf begründet seine Forderungen mit dem Kampf gegen den hohen Krankenstand, der seiner Meinung nach eine ernsthafte Belastung für Unternehmen darstellt. Er behauptet, das derzeitige System „ermutige zu Missbrauch“. In einem Interview mit „n-tv“ am 7. März versuchte er, den Vorschlag auch als vorteilhaft für Arbeitnehmer darzustellen, mit dem Argument, dass es sie motivieren würde, schneller gesund zu werden. „„Das hilft auch Arbeitnehmern. Es geht darum, ein System zu schaffen, das missbrauchsresistent ist und das diejenigen schützt, die wirklich krank sind.”” („Das hilft auch Arbeitnehmern. Es geht darum, ein System zu schaffen, das missbrauchsresistent ist und das diejenigen schützt, die wirklich krank sind.“) — Stefan Wolf Er zog jedoch den Kernvorschlag der Zahlung ab dem zweiten Tag nicht zurück. Das deutsche System der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall) hat eine lange Tradition und ist eines der großzügigeren in Europa. Seit 1994 ist der Arbeitgeber verpflichtet, das volle Gehalt für die ersten sechs Wochen der Krankheit eines Arbeitnehmers zu zahlen. Telefonische Krankschreibungen wurden während der COVID-19-Pandemie vorübergehend eingeführt und dann 2023 gesetzlich verankert, was bei Ärzten und Krankenkassen auf gemischte Reaktionen stieß. Die Reaktion der Gewerkschaften war sofort und eindeutig negativ. Vertreter der mächtigen Gewerkschaften IG Metall und Verdi kritisierten die Idee scharf und sahen darin einen Versuch, Arbeitnehmerrechte einzuschränken und die Krankheitskosten auf die Arbeitnehmer abzuwälzen. Sie befürchten, dass eine solche Änderung kranke Personen, insbesondere solche mit niedrigeren Einkommen, zwingen würde, zur Arbeit zu kommen, was zu einer weiteren Verbreitung von Infektionen und einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führen könnte. Kritiker weisen auch darauf hin, dass die Idee gegen das Grundprinzip der Solidarität verstößt. Die Forderung nach Abschaffung der telefonischen Krankschreibung weckt ebenfalls Bedenken hinsichtlich einer zusätzlichen Belastung für Arztpraxen und einer Entmutigung, bei leichten, aber ansteckenden Beschwerden zu Hause zu bleiben. Die Debatte spiegelt einen breiteren Konflikt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften vor dem Hintergrund des anhaltend hohen Krankenstands in Deutschland wider, den jede Seite durch die Linie ihrer eigenen Interpreten interpretiert.
Perspektywy mediów: Liberale Medien und Gewerkschaften stellen den Vorschlag als Angriff auf soziale Rechte und Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar und betonen seine negativen Auswirkungen auf Geringverdiener. Konservative Medien und Arbeitgeberkreise konzentrieren sich auf die hohen Kosten des Krankenstands für die Wirtschaft und die Notwendigkeit, Missbrauch im System zu bekämpfen.
Mentioned People
- Stefan Wolf — Präsident des zentralen Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Autor kontroverser Vorschläge zur Änderung des Systems der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.