Der spanische Eisenbahninfrastrukturbetreiber Adif sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, Teile des Gleisbetts am Unglücksort in Adamuz rechtswidrig entfernt zu haben. Diese Maßnahmen, die ohne Gerichtsgenehmigung durchgeführt wurden, könnten zur Kontamination entscheidender Beweise führen. Unterdessen müssen Reisende mit einem Stillstand der Verbindungen Madrid–Málaga mindestens bis zum 23. März rechnen, während Betreiber drastische Ticketverkaufsrückgänge verzeichnen und Zwangsurlaube für Mitarbeiter einführen.
Adif beschuldigt, Beweise vernichtet zu haben
Der Betreiber entfernte Teile des Gleisbetts vom Unglücksort ohne Gerichtsgenehmigung, was nach Ansicht von Technikern das Beweismaterial kontaminierte.
Lähmung der Strecke Madrid–Málaga
Der Hochgeschwindigkeitsverkehr wird frühestens am 23. März wieder aufgenommen, was die Osterreisepläne der Touristen gefährdet.
Finanzkrise der Bahnbetreiber
Der Ticketverkauf ist um 30% eingebrochen, und das Unternehmen Iryo hat 40 Mitarbeiter in Zwangsurlaub geschickt.
Die Situation um das Zugunglück in Adamuz nimmt den Charakter eines politisch-rechtlichen Skandals an. Der Infrastrukturbetreiber Adif räumte ein, Schweißteile und Schienenfragmente vom Unfallort entfernt zu haben, trotz ausdrücklicher Warnungen der ermittelnden Richterin und der Guardia Civil. Verkehrsminister Óscar Puente verteidigt diese Maßnahmen und behauptet, die gesicherten Materialien würden ohnehin auf der Deponie landen, da sie das Interesse der für Eisenbahnunfälle zuständigen Untersuchungskommission nicht geweckt hätten. Diese Argumentation löste jedoch heftige Reaktionen der Opposition und von Opferverbänden aus, die den Verlust entscheidender Prozessbeweise befürchten. Die Transportlogistik in Südspanien bleibt in einer tiefen Krise. Die Reparatur der beschädigten Infrastruktur wird mindestens bis zum 23. März dauern, was die Bewältigung des touristischen Höhepunkts in der Karwoche in Frage stellt. Die Situation trifft private Betreiber wie Iryo und Ouigo direkt. Ersterer wurde gezwungen, 40 Mitarbeiter in ein ERTE zu schicken, da ein Betrieb auf der Strecke nach Málaga unmöglich ist. Der Ticketverkauf für Verbindungen der Hochgeschwindigkeitsbahn AVE ist um über 30 Prozent eingebrochen, was dem Tourismussektor Millionenschäden beschert. Gleichzeitig laufen vor Gericht in Montoro formelle Entschädigungsverfahren. Der Versicherer von Adif hat einen Betrag von 8,8 Millionen Euro für künftige Entschädigungen hinterlegt, obwohl Experten betonen, dass diese Summe lediglich auf medialen Schätzungen und nicht auf vollständiger medizinischer Dokumentation der Opfer basiert. Der von den Geschädigten gegründete Verein kündigt den Kampf für eine vollständige Aufklärung der Unglücksursachen und die Verantwortung von Beamten für die mutmaßliche Manipulation von Beweismaterial am Unfallort an. Das spanische Hochgeschwindigkeitsbahnnetz ist nach China das zweitlängste der Welt, doch seine dynamische Entwicklung löst seit Jahren Debatten über Sicherheit und Aufsichtsverfahren für den staatlichen Infrastrukturmonopolisten aus. „Adif se llevó piezas de Adamuz porque no interesaron a Guardia Civil ni CIAF.” (Adif nahm Teile aus Adamuz mit, weil sie weder die Guardia Civil noch die CIAF interessierten.) — Verkehrsminister Óscar Puente
Mentioned People
- Óscar Puente — Minister für Verkehr und nachhaltige Mobilität Spaniens
- Alberto Núñez Feijóo — Vorsitzender der oppositionellen Volkspartei