Auf der 62. Münchner Sicherheitskonferenz präsentierte der amerikanische Außenminister Marco Rubio ein neues, versöhnlicheres Gesicht der US-Diplomatie. Obwohl sein Ton sich von den Auftritten J.D. Vances im Vorjahr unterschied, blieb die Kernaussage mit der Linie Donald Trumps konsistent. Washington erwartet von den europäischen Verbündeten mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit und deutet an, dass die Ära der bedingungslosen Dominanz der Vereinigten Staaten in der Verteidigungsarchitektur des alten Kontinents zu Ende geht.
Die gerade zu Ende gegangene 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) stand im Zeichen des Versuchs, die transatlantischen Beziehungen neu zu definieren. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio hielt eine Rede, die viele Beobachter als diplomatische Offensive des Lächelns bezeichneten. Rubio erklärte, Amerika habe nicht vor, Europa im Stich zu lassen, und nannte die Verbündeten „Kinder derselben Zivilisation”. Gleichzeitig stellte er jedoch klare Bedingungen: Europa müsse aufhören, ein Vasall zu sein, und zu einem gleichberechtigten Partner werden, was in der Praxis eine radikale Erhöhung der Verteidigungsausgaben und militärische Eigenständigkeit bedeutet. Der Tonwechsel wurde zwar mit stehenden Ovationen aufgenommen, stößt bei europäischen Eliten auf Skepsis, die befürchten, dass hinter den glatten Worten dasselbe Ultimatum steckt, das Vizepräsident J.D. Vance ein Jahr zuvor auf brutale Weise formuliert hatte. Die Münchner Sicherheitskonferenz, gegründet 1963 von Ewald-Heinrich von Kleist, ist seit Jahrzehnten die wichtigste Plattform für Diskussionen über globale Verteidigungspolitik und versammelt westliche Führungspersönlichkeiten im Herzen Bayerns.Die polnische Delegation in München bemühte sich darum, die Position Warschaus als zentraler Sicherheitsdrehscheib an der östlichen Flanke der NATO zu stärken. Unterdessen setzte Rubio seine Reise in der Region fort, besuchte die Slowakei und kündigte einen Besuch bei Viktor Orbán in Ungarn an, wobei er Warschau auffällig aussparte. Diese Geste wird als Signal an die polnische Regierung interpretiert, dass ideologische Nähe zur Trump-Administration keine privilegierte Position garantiert, wenn keine vollständige Übereinstimmung der politischen Interessen besteht. Die deutsche Presse, darunter Der Spiegel, stellt fest, dass eine Rückkehr zum „alten Amerika” aus der Zeit vor Trump unmöglich ist, unabhängig davon, wer nach den nächsten Wahlen im Weißen Haus sitzt. Europa steht vor der Notwendigkeit, eigene strategische Handlungsfähigkeit aufzubauen, da die amerikanischen Republikaner zunehmend die Notwendigkeit einer Hinwendung zum Pazifik betonen. <zitat autor=