Die französischen Abgeordneten treten heute zur entscheidenden Abstimmung über den Gesetzentwurf zur Einführung des Rechts auf Sterbehilfe an. Nach einer mehrtägigen, hitzigen Debatte und der Prüfung von über zweitausend Änderungsanträgen wird das Parlament über das Schicksal der Reform entscheiden, die tiefe gesellschaftliche und politische Gräben aufwirft. Der Entwurf, der als eine der wichtigsten gesellschaftlichen Veränderungen des Jahrzehnts gilt, sieht die Legalisierung des assistierten Suizids sowie in besonderen Fällen die Euthanasie unter strenger medizinischer Aufsicht vor.
Entscheidende Parlamentsabstimmung
Die Nationalversammlung stimmt über den vollständigen Gesetzestext ab, nachdem eine Woche lang intensiv an Änderungsanträgen gearbeitet wurde.
Kontroversen um die Rolle der Ärzte
Ein Änderungsantrag, der die Verabreichung des tödlichen Mittels durch medizinisches Personal zulässt, stößt selbst bei Teilen der Reformbefürworter auf Widerstand.
Stärkung der Palliativversorgung
Der Entwurf enthält konsensuale Bestimmungen zur Entwicklung der Palliativversorgung und zum Bau intermodaler Betreuungszentren.
Bestseller von Gisèle Pelicot
Das Buch ist ein Symbol für den Kampf um Würde; ihre Erinnerungen erreichten Rekordverkaufszahlen in Europa und den USA.
Die französische Nationalversammlung schließt den Gesetzgebungsprozess zum Entwurf eines Gesetzes über die assistierte Lebensbeendigung ab. Die ursprünglich für Dienstag geplante Abstimmung wurde um einen Tag verschoben, um eine Rekordzahl an Änderungsanträgen zu prüfen. Die Atmosphäre im Parlament bleibt angespannt, und das Ergebnis der Schlussabstimmung ist aufgrund jüngster Änderungen am Text unsicher, die einige Abgeordnete aus der Regierungskoalition und der Mitte beunruhigt haben. Die Nationalversammlung hat unter anderem Bestimmungen zur Schaffung von Begleithäusern für Menschen in der Palliativversorgung sowie, am kontroversesten, eine Regelung angenommen, die die Verabreichung einer letalen Substanz durch medizinisches Personal ermöglicht, falls der Patient körperlich nicht in der Lage ist, sie selbst einzunehmen. Diese Frage wurde zum Zankapfel der Debatte. Gegner der Reform, darunter zahlreiche Vertreter der Rechten und medizinische Kreise, warnen vor dem Öffnen einer „Pandorabüchse”. Der Abgeordnete und Arzt Philippe Juvin kritisiert die Ablehnung von Sicherheitsmechanismen, die seiner Meinung nach Missbrauch verhindern könnten. Befürworter des Projekts, vertreten durch den Berichterstatter Olivier Falorni, betonen hingegen, dass das Gesetz den Erwartungen der Bürger entspricht und eine humane Lösung in Situationen extremen Leidens bietet. Das derzeit in Frankreich geltende Claeys-Leonetti-Gesetz von 2016 erlaubt bei terminalen Patienten lediglich eine tiefe und kontinuierliche Sedierung bis zum Tod, was seit Jahren als unzureichende Lösung kritisiert wird. Ein wichtiges Element der neuen Regelung ist die Einführung des Delikts der Behinderung des Zugangs zur Sterbehilfe, was mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden soll. Gleichzeitig führten die Abgeordneten, um die Balance zu wahren, die Strafbarkeit der Anstiftung zur Lebensbeendigung ein. Neben der parlamentarischen Debatte beschäftigt die französische Öffentlichkeit der Verkaufserfolg von Gisèle Pelicot, deren Erinnerungen an den Prozess im Fall der Vergewaltigungen von Mazan zum Bestseller wurden und die Bedeutung von Reformen bezüglich Würde und Kontrolle über den eigenen Körper unterstreichen. „J'estime que ce texte va trop loin et ouvre une boîte de Pandore sans poser les limites suffisantes.” (Ich bin der Meinung, dass dieser Text zu weit geht und eine Pandorabüchse öffnet, ohne ausreichende Grenzen zu setzen.) — Maud Bregeon Schlüsselaspekte des neuen Gesetzes: Verabreichungsmethode: Ausschließlich Sedierung → Selbstverabreichung oder medizinische Hilfe; Palliativversorgung: Unterfinanziert → Schaffung von Begleithäusern; Rechtsschutz: Keine spezifischen Strafen → Zweijährige Haftstrafe für Behinderung
Perspektywy mediów: Liberale Medien heben den historischen Fortschritt im Bereich der Individualrechte hervor und betonen die Linderung des Leidens von Terminalpatienten. Konservative Medien warnen vor dem Verfall der medizinischen Ethik und einer Radikalisierung des Gesetzestextes, den sie als Zustimmung zur Euthanasie betrachten.
Mentioned People
- Olivier Falorni — Berichterstatter und Hauptförderer des Gesetzes.
- Yaël Braun-Pivet — Präsidentin der französischen Nationalversammlung.
- Gisèle Pelicot — Autorin des Bestsellers, Opfer von Massenvergewaltigungen, Ikone im Kampf um Gerechtigkeit.
- Agnès Firmin-Le Bodo — Ehemalige Gesundheitsministerin, die Zweifel an der aktuellen Fassung des Gesetzes äußert.