Regierungen weiterer europäischer Länder, darunter Deutschland, Irland und Spanien, intensivieren ihre Arbeiten zur Einführung von Altersbeschränkungen für den Zugang zu Social-Media-Plattformen. Inspiration für diese Maßnahmen ist das wegweisende Verbot, das in Australien eingeführt wurde. Politiker argumentieren, dass der Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen vor suchterzeugenden Algorithmen und der Kampf gegen Desinformation entschlossene gesetzgeberische Schritte erfordern, einschließlich einer obligatorischen Altersüberprüfung der Nutzer.

Die Debatte über die Einschränkung des Zugangs zu Social Media für Personen unter 16 Jahren gewinnt in ganz Europa an Fahrt. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich für die Einführung gesetzlicher Grenzen ausgesprochen und verwies auf die negativen Auswirkungen mehrstündiger Nutzung digitaler Geräte auf die soziale Entwicklung von Kindern. Dieser Vorschlag fand bei Teilen der Christdemokraten Anklang, stieß jedoch auf Kritik von Digitalisierungsministern, die sich eher für den Aufbau von Medienkompetenz als für völlige Verbote aussprechen. In Irland kündigte die Regierung eine neue Strategie zu künstlicher Intelligenz und Digitalisierung an, bestritt jedoch, bereits konkrete Vorschriften für einen sanktionsbewehrten Zugangsverbot vorzubereiten, und setzt auf Konsultationen auf EU-Ebene. Die Diskussion über den Schutz Minderjähriger im Netz hat sich nach einer Reihe von Studien verstärkt, die einen Zusammenhang zwischen dem Geschäftsmodell der Technologiegiganten und der psychischen Gesundheitskrise unter Teenagern aufzeigen. Seit dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung im Jahr 2018 haben die Mitgliedstaaten das Recht, ihr eigenes Mindestalter für die digitale Einwilligung festzulegen.In Spanien kündigte Ministerpräsident Pedro Sánchez ein Gesetzespaket zum Schutz von Kindern vor dem „digitalen Wilden Westen“ an, das strafrechtliche Verantwortung für Plattformmanager bei Versäumnissen bei der Altersüberprüfung vorsieht. Experten wie die Psychiaterin Anna Lembke vergleichen die Social-Media-Sucht mit den Auswirkungen von Drogenkonsum, was die Argumentation der Befürworter von Beschränkungen stärkt. Gegner verweisen jedoch auf technische Schwierigkeiten und das Risiko der Überwachung aller Bürger bei Versuchen einer effektiven Identitätsprüfung. <zitat autor=