Seit fast zehn Jahren, seit Mai 2016, müssen Zigarettenpackungen in Deutschland schockierende Warnbilder tragen. Sie zeigen gesundheitliche Folgen des Rauchens wie geschädigte Lungen oder Beinerkrankungen. Eingeführt wurden sie durch ein Gesetz vom Februar 2016 mit dem Ziel, von der Sucht abzuschrecken. Studien zeigen, dass zwar der Raucheranteil sinkt, die Wirksamkeit der Bilder allein aber schwer eindeutig nachzuweisen ist.

Zehntes Jubiläum der Einführung

Am 25. Februar 2016 verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das die Platzierung schockierender Warnbilder auf Tabakerzeugnisverpackungen vorschreibt.

Rückgang der Raucherzahl

Daten der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zeigen, dass derzeit etwa ein Viertel der erwachsenen Deutschen raucht, und der Trend ist rückläufig.

Schwierige Wirksamkeitsmessung

Wissenschaftler weisen im "British Medical Journal" darauf hin, dass es methodisch schwierig ist, den Einfluss der Bilder allein auf den Konsumrückgang zu isolieren.

In Deutschland geht fast ein Jahrzehnt zu Ende, seit die Pflicht zur Platzierung schockierender Warnbilder auf Zigarettenpackungen und anderen Tabakerzeugnissen eingeführt wurde. Das Gesetz, das dies vorschreibt, wurde vom Bundestag am 25. Februar 2016 verabschiedet und trat im Mai desselben Jahres in Kraft, seitdem ist es ein fester Bestandteil des Ladentisch-Bildes. Die oft drastischen Bilder zeigen Folgen des Rauchens wie Kehlkopfkrebs, zerstörte Lungen, nekrotische Veränderungen an den Füßen (sog. Raucherbein) sowie schwarze, zerstörte Zähne. Ihr Hauptziel ist Prävention und Abschreckung, insbesondere junger Menschen, vor der ersten Zigarette oder Motivation zum Aufhören bei bereits Rauchenden. Das Konzept grafischer Warnhinweise auf Tabakverpackungen ist keine deutsche Erfindung. Die ersten derartigen Regelungen führte Kanada bereits 2001 ein und wurde damit zum weltweiten Pionier. In der Europäischen Union gab eine Richtlinie aus dem Jahr 2014 den Mitgliedstaaten die Grundlage zur Einführung verpflichtender Bilder, die mindestens 65 % der Verpackungsoberfläche bedecken sollten. Zuvor waren die Warnungen jahrelang ausschließlich textlich.Wie Daten der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) zeigen, sinkt der Anteil rauchender Erwachsener in Deutschland systematisch und liegt derzeit bei etwa 25 %. Es stellt sich jedoch die grundlegende Forschungsfrage, inwieweit dieser positive Trend genau der Wirkung der Schockbilder zugeschrieben werden kann. Wissenschaftler, unter anderem im renommierten British Medical Journal, betonen die methodische Schwierigkeit, den direkten, kausalen Einfluss der Bilder allein auf die gesamte Gesellschaft zu isolieren und nachzuweisen. Auf die Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, wirken nämlich zahlreiche, sich überlagernde Faktoren ein, wie das allgemeine Gesundheitsbewusstsein, soziale Kampagnen, Tabakpreise, gesetzliche Einschränkungen (z.B. Rauchverbote in öffentlichen Räumen) und Modetrends. Trotz dieser Messherausforderungen bleiben die Bilder ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Gesundheitspolitik. Sie wirken nach dem Prinzip einer kontinuierlichen, passiven Erinnerung an die Folgen der Sucht, jedes Mal wenn der Verbraucher zur Packung greift. Experten betonen, dass die Synergie verschiedener Instrumente am wirksamsten ist: von Steuern und Werbeverboten über Hilfen zur Raucherentwöhnung bis hin zu eben verpflichtenden visuellen Warnhinweisen. Nach zehn Jahren Gültigkeit ist kein Rückzug dieser Regelung geplant, allerdings gibt es Stimmen, die eine Aktualisierung der Bilder selbst fordern, um einem "Immunisierungseffekt" der Gesellschaft gegenüber den gleichen, bereits bekannten Bildern vorzubeugen.