Gisèle Pelicot, eine Symbolfigur im Kampf um die Würde von Opfern sexueller Gewalt, hat ihre autobiografische Schrift „Hymne an das Leben“ veröffentlicht. Nach einem aufsehenerregenden Prozess, in dem ihr Ehemann und mehrere Dutzend weitere Männer wegen jahrelanger Vergewaltigungen verurteilt wurden, beschreibt die Frau das Trauma, in Unwissenheit gelebt zu haben. Ihre Geschichte, die 2024 die Öffentlichkeit erschütterte, wird zu einem Manifest gegen die Stigmatisierung von Opfern und die gesellschaftliche Duldung von Gewalt, die hinter einer Maske scheinbarer Normalität verborgen ist.

Veröffentlichung eines autobiografischen Buches

Gisèle Pelicot hat ein Erinnerungsbuch mit dem Titel „Hymne an das Leben“ veröffentlicht, in dem sie mit 50 Jahren Ehe und dem Trauma kollektiver Vergewaltigungen abrechnet.

Manifest gegen die Scham

Die zentrale Botschaft Pelicots ist die Verlagerung des sozialen Stigmas von den Opfern auf die Täter der Gewalt, was zur Grundlage ihrer medialen Aktivität wurde.

Wegweisender Gerichtsprozess

Im Jahr 2024 wurden Pelicots Ehemann und 50 weitere Männer verurteilt, was als der größte Vergewaltigungsprozess in der Geschichte des modernen Frankreichs gilt.

Gisèle Pelicot, deren Prozess im Jahr 2024 zu einem der wichtigsten juristischen und gesellschaftlichen Ereignisse in Frankreich wurde, kehrt mit einer ergreifenden Zeugenaussage mit dem Titel „Hymne an das Leben“ zurück. Ein Jahrzehnt lang war sie Opfer ihres eigenen Ehemanns, Dominique Pelicot, der ihr systematisch starke Betäubungsmittel verabreichte und dann fremde Männer in ihr gemeinsames Haus in Mazan einlud, um sie zu vergewaltigen. Diese Praxis wurde 2020 zufällig aufgedeckt, als der Mann dabei erwischt wurde, unter die Röcke von Kundinnen in einem Supermarkt zu filmen, was Ermittler zu einer Sammlung von Aufnahmen führte, die Jahre des Albtraums dokumentierten. In ihrer Veröffentlichung konzentriert sich Pelicot auf das Konzept des chemischen Verstrickung und die schmerzhafte Entdeckung der Wahrheit über den Menschen, mit dem sie fast 50 Jahre verbracht hat. Die Autorin betont, dass ihre Entscheidung, auf Anonymität zu verzichten, ein bewusster politischer Akt war. Sie wollte, dass der Prozess bei offenen Türen stattfand, in dem Glauben, dass „die Scham die Seite wechseln muss“ – von den Opfern zu den Tätern. Das Buch ist nicht nur eine Beschreibung des Leidens, sondern vor allem ein Beweis für unglaubliche psychische Widerstandsfähigkeit und ein Versuch, nach Jahren der Objektivierung die Subjektivität zurückzugewinnen. Der Begriff „Eheliche Vergewaltigung“ wurde in Frankreich erst 1990 unter Strafe gestellt, und der Fall Pelicot gab den Anstoß zu einer Debatte über eine Änderung der Definition der Einwilligung im dortigen Strafgesetzbuch. Derzeit lebt die 72-jährige Gisèle Pelicot auf der Île de Ré, wo sie versucht, ihr Leben wieder aufzubauen und Ruhe in klassischer Musik und Spaziergängen am Meer findet. Ihre Haltung hat Tausende von Frauen in Europa dazu inspiriert, laut über erlittenes Unrecht zu sprechen. „I wanted the shame to shift to the other side... Shame must be carried by the accused, not the victims.” (Ich wollte, dass die Scham auf die andere Seite übergeht... Die Scham muss von den Angeklagten getragen werden, nicht von den Opfern.) — Gisèle Pelicot Diese Botschaft erklingt besonders kraftvoll im Kontext der Verurteilungen von über 50 Angeklagten, die an dem kriminellen Treiben teilnahmen und sich vor Gericht oft mit Unwissenheit über den Zustand des Opfers entschuldigten.

Mentioned People

  • Gisèle Pelicot — Hauptfigur des Falls, Opfer jahrelanger Vergewaltigungen, Autorin des Buches „Hymne an das Leben“.
  • Dominique Pelicot — Ehemann von Gisèle, Haupttäter, der seine Frau über ein Jahrzehnt betäubte und ihre Vergewaltigung durch andere Männer ermöglichte.
  • Victoria Derbyshire — Britische Journalistin, die ein Interview mit Pelicot für die BBC führte.