Italiens Gesundheitsminister Orazio Schillaci hat die Genehmigung von drei neuen Master-Ausbildungswegen für Pflegekräfte bekanntgegeben. Die neuen Spezialisierungen sollen den italienischen Gesundheitsdienst stärken und flexibilisieren, indem sie es einem Teil der qualifizierten Pflegekräfte erlauben, eigenständig Medikamente zu verschreiben. Die Entscheidung stieß auf Zustimmung bei den Pflegegewerkschaften, aber auf Kritik seitens der Ärzteschaft, die die Notwendigkeit einer klaren Kompetenzabgrenzung betont.
Genehmigung von drei neuen Spezialisierungen
Gesundheitsminister Orazio Schillaci hat offiziell die Einrichtung von drei neuen Masterstudiengängen für Pflegekräfte genehmigt: pädiatrische, geriatrische Pflege und Pflege im öffentlichen Gesundheitswesen.
Neue berufliche Befugnisse
Auf den neuen Wegen ausgebildete Master der Pflege erhalten Befugnisse zur Durchführung einer Erstdiagnostik sowie zur Verschreibung bestimmter Medikamente und Therapien.
Polarisierung der medizinischen Fachwelt
Die Entscheidung löste Widerstand bei der Ärzteschaft aus, die eine Verwischung der Rollen befürchtet, sowie Zustimmung bei den Pflegegewerkschaften, die darin eine Entwicklungschance sehen.
Hoffnung auf Verbesserung des Systems
Die Regierung hofft, dass die Reform dazu beiträgt, die Hausärzte zu entlasten und die Funktionsweise des Systems zu optimieren, insbesondere in der Langzeitpflege.
Die italienische Regierung, vertreten durch Gesundheitsminister Orazio Schillaci, sowie die Ministerin für Universitäten Anna Maria Bernini, hat die Genehmigung neuer Ausbildungswege für den Pflegeberuf bekanntgegeben. Diese am 23. Februar 2026 angekündigte Entscheidung stellt eine bedeutende Reform in der Struktur der Gesundheitsberufe in Italien dar und zielt darauf ab, das Pflegepersonal angesichts demografischer und gesundheitlicher Herausforderungen zu stärken und zu modernisieren. Neue Ausbildungswege für die Pflege: Pädiatrische Spezialisierung: Kein dedizierter Masterweg → Spezialisierte Masterstudiengänge; Geriatrische Spezialisierung: Kein dedizierter Masterweg → Spezialisierte Masterstudiengänge; Spezialisierung im öffentlichen Gesundheitswesen: Kein dedizierter Masterweg → Spezialisierte Masterstudiengänge Die Reform führt drei neue Masterstudiengänge ein: Pädiatrische Pflege, Geriatrische Pflege sowie Pflege im öffentlichen Gesundheitswesen. Der Abschluss dieser Studiengänge soll es den Absolventen, die als verschreibende Pflegekräfte bezeichnet werden, ermöglichen, ein breiteres Aufgabenspektrum zu übernehmen. Dabei geht es vor allem um die Durchführung einer Erstdiagnostik sowie um die eigenständige Verschreibung bestimmter Medikamente und Therapien innerhalb streng definierter rechtlicher und klinischer Rahmenbedingungen. Minister Schillaci betonte, dass dies ein „historischer Schritt” sei, der darauf abziele, „die Autonomie und Verantwortung der Pflege zu erhöhen” sowie „die Hausärzte zu entlasten”. Ministerin Bernini verwies ihrerseits auf den Aspekt der Investition in Humankapital und die Schaffung neuer Karrieremöglichkeiten, die hochspezialisierte Arbeitskräfte im Land halten könnten.„Un passo storico per la sanità italiana. Valorizzeremo la professione infermieristica, incrementandone autonomia e responsabilità, per sgravare i medici di medicina generale.” (Ein historischer Schritt für die italienische Gesundheitsversorgung. Wir werden den Pflegeberuf aufwerten, indem wir seine Autonomie und Verantwortung erhöhen, um die Hausärzte zu entlasten.) — Orazio Schillaci Das Konzept der Pflege mit erweiterten Kompetenzen, einschließlich der Befugnis zur Medikamentenverschreibung, ist global nicht neu. In Ländern wie dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada oder Australien existieren Rollen wie Advanced Nurse Practitioners (ANP) oder Nurse Practitioners (NP) seit Jahrzehnten und spielen eine Schlüsselrolle in der primären Gesundheitsversorgung, insbesondere in ländlichen Gebieten oder Regionen mit Ärztemangel.Die Reaktionen der medizinischen Fachwelt auf diese Entscheidung sind extrem unterschiedlich und illustrieren eine tiefe Spaltung. Die Pflegegewerkschaften, wie Nursind, haben sie mit Begeisterung aufgenommen. Der Generalsekretär von Nursind, Maddalena Rinaldi, bezeichnete sie als „konkrete Chance für die berufliche Entwicklung” und als „wichtige Antwort auf die Bedürfnisse des Gesundheitssystems und der Bürger”. Aus Sicht der Pflegekräfte stellt die Reform eine Anerkennung ihrer Kompetenzen und eine Möglichkeit für den beruflichen Aufstieg sowie für die Bindung der besten Fachkräfte im Beruf dar. Ein entschiedenes „Nein” äußerte hingegen die Ärzteschaft. In einer veröffentlichten Stellungnahme sprach sie sich „entschieden gegen” das Projekt der verschreibenden Pflegekräfte aus. Die Ärzte argumentieren, dass die Verschreibung von Medikamenten ein „medizinischer Akt mit hoher Verantwortung sei, der eine vollständige und umfassende Ausbildung erfordere, wie sie ausschließlich durch das Medizinstudium gewährleistet werde”. Sie fürchten eine „Verwischung der Rollen” und betonen, dass die Zusammenarbeit zwischen den Berufen auf der „gegenseitigen Anerkennung konkreter und unterschiedlicher Kompetenzen beruhen sollte, nicht auf deren Überschneidung”. Dieser Streit spiegelt die traditionelle Rivalität um Kompetenzbereiche und Prestige im Gesundheitssystem wider.
Perspektywy mediów: Die Berichterstattung liberaler/linker Medien könnte die Notwendigkeit der Modernisierung eines veralteten Gesundheitssystems, die fortschreitende Professionalisierung der Pflege und die Notwendigkeit eines verbesserten Zugangs zur Versorgung, insbesondere für ältere Menschen und Kinder, betonen. Die Berichterstattung konservativer/rechter Medien könnte sich auf die Verteidigung der traditionellen Hierarchie der Gesundheitsberufe konzentrieren, die Risiken betonen, die mit der Übertragung zu verantwortungsvoller Aufgaben an Personen mit anderer Ausbildung verbunden sind, und die Notwendigkeit des Schutzes von Qualität und Sicherheit der Versorgung hervorheben. Die Einführung der Reform ist eine Antwort auf langjährige Probleme des italienischen Gesundheitsdienstes, wie Personalmangel, Überlastung der Hausärzte und eine alternde Gesellschaft mit wachsendem Bedarf an Langzeitpflege. Die Regierung hofft, dass spezialisierte Pflegekräfte einen Teil der Routineaufgaben übernehmen können, um den Patientenfluss zu optimieren und Wartezeiten zu verkürzen. Der nächste Schritt wird nun die Ausarbeitung detaillierter Lehrpläne und rechtlicher Rahmenbedingungen sein, die den genauen Aufgabenbereich der „verschreibenden Pflegekräfte” definieren. Der Zeitplan für die Umsetzung der Reform ist noch nicht genau festgelegt, aber die ersten Aufnahmeverfahren für die neuen Studiengänge könnten bereits im kommenden akademischen Jahr starten.Zeitplan für die Umsetzung der Reform (geschätzt): März 2026 — Ausarbeitung der Studiengänge; Juni 2026 — Finalisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen; September 2026 — Möglicher Start der ersten Aufnahme
Mentioned People
- Orazio Schillaci — Italiens Gesundheitsminister, kündigte die Genehmigung der Reform der Pflegeausbildung an.
- Anna Maria Bernini — Italiens Ministerin für Universitäten und Forschung, mitverantwortlich für die Einführung neuer Studienwege.