Die stellvertretende Gesundheitsministerin Katarzyna Kęcka legte dem Sejm-Gesundheitsausschuss die Position des Ministeriums zum Fehlen einer Erstattung für Adipositas-Medikamente dar. Gemäß den geltenden Vorschriften können Therapien, die durch eine Änderung des Lebensstils ersetzt werden können, nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Diese Position löste Kritik von der Opposition und Stimmen medizinischer Experten aus, darunter Prof. Mariusz Wyleżoł, der daran erinnerte, dass Adipositas eine biologische Grundlage hat und als anerkannte Krankheit gilt. Es laufen Arbeiten an einem Pilotprogramm KOS-Bar.
Position des Gesundheitsministeriums
Die stellvertretende Ministerin Katarzyna Kęcka erklärte, dass gemäß geltendem Recht die Erstattung keine Therapien umfassen kann, die durch eine Änderung des Lebensstils ersetzt werden können. Das Ministerium war der Ansicht, dass Medikamente allein ohne umfassende Betreuung keine langfristigen Effekte bringen würden.
Reaktion eines medizinischen Experten
Professor Mariusz Wyleżoł, Chirurg und Bariatrie-Spezialist, entgegnete, dass Adipositas eine biologische Krankheit sei, was wissenschaftliche Beweise bestätigen. Seine Position unterstreicht den medizinischen Aspekt der Erkrankung, der in der öffentlichen Debatte oft vernachlässigt wird.
Pilotprogramm KOS-Bar
Das Gesundheitsministerium informierte, dass an einer Verordnung gearbeitet wird, die das Pilotprogramm für eine umfassende Betreuung von Patienten mit Adipositas (KOS-Bar) umsetzt. Die Leistungen aus diesem Programm sollen in den Katalog der garantierten Leistungen aufgenommen werden.
Laufende Erstattungsanträge
In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 gingen beim Ministerium Anträge auf Erstattung zweier Wirkstoffe zur Behandlung von Adipositas ein. Das Verwaltungsverfahren befindet sich jedoch in einem frühen Stadium, und es gibt noch keine konkreten Entscheidungen.
Während der Mittwochssitzung des Sejm-Gesundheitsausschusses begründete eine Vertreterin des Gesundheitsministeriums die fehlende Erstattung für Adipositas-Medikamente mit den geltenden Vorschriften. Die stellvertretende Ministerin Katarzyna Kęcka sagte, die Erstattung könne keine Therapien umfassen, die durch eine Änderung des Lebensstils ersetzt werden können. Sie erklärte, dass die Pharmakotherapie nur ein Element der Behandlung sei, das ohne parallele diätetische, psychologische, medizinische und rehabilitative Betreuung keine dauerhaften Effekte bringen würde. Ein solcher Ansatz stelle, ihrer Meinung nach, keine rationale Nutzung öffentlicher Mittel dar. Diese Position stieß auf eine sofortige Reaktion der medizinischen Fachwelt. Professor Mariusz Wyleżoł, Chirurg und Bariatrie-Spezialist, entgegnete, dass Adipositas eine biologische Krankheit sei, wofür es wissenschaftliche Beweise gebe. Seine Erwiderung weist auf einen wesentlichen Konflikt in der Wahrnehmung von Adipositas hin: als Lebensstilwahl versus anerkannte Krankheitseinheit. Laut Daten der WHO ist Adipositas ein ernsthaftes Gesundheitsproblem, das zu Diabetes, Herzkrankheiten und einigen Krebsarten führt. Das Gesundheitsministerium informierte gleichzeitig, dass an einer Verordnung gearbeitet werde, die das Pilotprogramm für eine umfassende spezialisierte Betreuung von Patienten mit Adipositas, bekannt als KOS-Bar, umsetzt. Die Leistungen aus diesem Programm sollen letztendlich in den Katalog der garantierten Leistungen aufgenommen werden. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gingen beim Ministerium auch Anträge auf Erstattung zweier spezifischer Wirkstoffe zur Behandlung von Adipositas ein. Das Verwaltungsverfahren in dieser Sache sei jedoch, laut den Worten der stellvertretenden Ministerin, erst in einem frühen Stadium.In Polen wächst das Problem der Adipositas seit Jahren. Laut Untersuchungen des Nationalen Gesundheitsfonds und des Hauptstatistikamts aus dem Jahr 2023 haben bereits über die Hälfte der erwachsenen Polen Übergewicht oder Adipositas. Im Gesundheitssystem wird Adipositas formal als Krankheit anerkannt (Code E66 in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten), jedoch ist der Zugang zu moderner pharmakologischer Behandlung eingeschränkt und wird vollständig von den Patienten selbst bezahlt. Die Debatte im Ausschuss offenbarte ein breiteres Problem im Zusammenhang mit der Erstattung in Polen. Entscheidend ist hier die Auslegung der Bestimmungen über „ersetzbare Therapien“, die zum Streitpunkt zwischen Ärzten und dem öffentlichen Zahler wird. Experten betonen, dass, obwohl eine Lebensstiländerung die Grundlage der Behandlung ist, sie für viele Patienten mit fortgeschrittener Adipositas ohne pharmakologische oder chirurgische Unterstützung nicht ausreichend ist. Kritiker der Ministeriumsposition weisen darauf hin, dass ähnliche Argumente der „Ersetzbarkeit“ nicht bei Medikamenten gegen Bluthochdruck oder Diabetes angewendet werden, wo ebenfalls Ernährungsumstellung und Aktivität entscheidend sind.
Perspektywy mediów: Liberale Medien heben die Kontroversen um die Position des Ministeriums hervor und weisen auf den Widerspruch zur Anerkennung von Adipositas als Krankheit und auf kritische Stimmen aus der medizinischen Fachwelt hin. Konservative Medien könnten die finanzielle Verantwortung des Staates und das Prinzip rationaler Ausgaben öffentlicher Mittel für Therapien mit nachgewiesener Langzeitwirksamkeit betonen.
Mentioned People
- Katarzyna Kęcka — stellvertretende Gesundheitsministerin, legte die Position des Ministeriums zur Erstattung von Adipositas-Medikamenten dar
- Mariusz Wyleżoł — Professor, Chirurg und Bariatrie-Spezialist, äußerte sich während der Sitzung des Sejm-Ausschusses und betonte die biologische Grundlage von Adipositas