Justizminister Carlo Nordio und der Führer der Fünf-Sterne-Bewegung, Giuseppe Conte, lieferten sich in Palermo eine hitzige Debatte über das Verfassungsreferendum. Im Zentrum des Streits stand die geplante Trennung der Karrierewege von Richtern und Staatsanwälten. Nordio argumentierte für die Notwendigkeit einer Demokratisierung des Systems durch die Auslosung von Mitgliedern der Disziplinargremien, während Conte die Regierung beschuldigte, einen "kriminellen politischen Plan" zu verfolgen, um die Justiz von der Exekutive abhängig zu machen.

Nordio-Conte-Konfrontation in Palermo

Erste direkte Debatte zwischen Minister und Oppositionsführer über die Verfassungsreform und die Trennung der Karrierewege.

Vorwürfe eines 'kriminellen Plans'

Conte warf der Regierung von Giorgia Meloni den Versuch vor, die Unabhängigkeit von Staatsanwälten und Richtern systematisch einzuschränken.

Auslosung von Richtern für den CSM

Die Regierung schlägt die Auslosung von Mitgliedern der Disziplinargremien als Mittel gegen Korruption und Seilschaften innerhalb der Justiz vor.

Kontroversen um die Vergangenheit des Ministers

Ein vor Jahren aufgenommenes Tonband wurde veröffentlicht, auf dem Nordio das politische Engagement von Richtern kritisierte.

Die italienische politische Bühne wird von einem eskalierenden Konflikt um das für März geplante Referendum zur Justizreform dominiert. Im Zentrum des Streits steht der Vorschlag der Trennung der Karrierewege sowie Änderungen in der Funktionsweise des Obersten Richterrats (CSM). Minister Carlo Nordio argumentiert, die Änderungen seien notwendig, um schädliche Einflüsse partikularer Fraktionen innerhalb der Justiz zu beseitigen, die während des Palamara-Skandals zutage traten. Die vorgeschlagene Auslosung soll die Autonomie der Justiz wiederherstellen und die "ethische Bescheidenheit" einiger Richterkreise begrenzen. Eine völlig andere Perspektive vertritt Giuseppe Conte, der der Regierung vorwirft, Richter einschüchtern und Politik über Recht stellen zu wollen. Der Oppositionsführer verweist auf zahlreiche Verfahren gegen Politiker des Regierungslagers wie Andrea Delmastro oder Daniela Santanchè und deutet an, die Reform solle deren Schutz dienen. Conte kritisierte scharf auch die Abschaffung des Straftatbestands Amtsmissbrauch, was auf negative Bewertungen durch EU-Institutionen stieß. Die Regierung wehrt diese Angriffe ab und betont, das Recht solle den Bürgern dienen, nicht einer richterlichen "Kaste". Das Justizsystem in Italien befindet sich seit den 1990er Jahren und der Operation "Saubere Hände" in einem permanenten Spannungszustand zwischen Legislative und Judikative. Italienische Staatsanwälte besitzen derzeit eine außergewöhnlich starke Position, da sie Teil desselben Korps wie die urteilenden Richter sind.Die Situation wird zusätzlich durch ein vor 11 Jahren aufgenommenes Tonband kompliziert, auf dem Justizminister Nordio selbst, damals noch Staatsanwalt, sich kategorisch gegen einen Wechsel von Richtern in die Politik aussprach. Diese Enthüllung löste eine Welle von Kommentaren in den sozialen Medien aus und wirft Fragen zur Konsistenz der Ansichten des Ressortchefs auf. Gleichzeitig appelliert Antonio Tajani von Forza Italia anstelle eines "Krieges mit den Roben" an eine sachliche Diskussion und betont, die Reform ziele auf eine Stärkung der Demokratie, nicht auf eine Schwächung der richterlichen Unabhängigkeit. „State realizzando un disegno di politica criminale fin dall'inizio.” (Sie verfolgen von Anfang an einen kriminellen politischen Plan.) — Giuseppe Conte22-23 marca — findet das Verfassungsreferendum in Italien statt

Mentioned People

  • Carlo Nordio — Italienischer Justizminister, Befürworter der Justizreform.
  • Giuseppe Conte — Führer der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), ehemaliger italienischer Ministerpräsident.
  • Antonio Tajani — Führer der Partei Forza Italia, stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister.