Ein internationales Team von Astronomen hat die bislang detaillierteste Aufnahme der zentralen Region der Milchstraße veröffentlicht. Das mit dem ALMA-Teleskop gewonnene Bild umfasst einen Bereich von über 650 Lichtjahren Breite. Es konzentriert sich auf dichte Wolken kalten Gases, die das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A* umgeben. Diese Entdeckung wirft ein neues Licht auf die Prozesse der Sternentstehung unter den extremen Bedingungen im Herzen unserer Galaxie.
Rekordauflösung des Bildes
Das ALMA-Teleskop hat einen Bereich von 650 Lichtjahren Breite mit bisher unerreichter Präzision im Millimeterwellenbereich aufgenommen.
Geheimnisse des Schwarzen Lochs
Das Bild zeigt, wie das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A* mit dem umgebenden kalten Gas und den Sternentstehungsprozessen interagiert.
Analyse der chemischen Zusammensetzung
Die Forscher entdeckten Spuren komplexer Gasmoleküle, was ein besseres Verständnis der chemischen Evolution des Herzens der Milchstraße ermöglicht.
Eine internationale Zusammenarbeit von Astronomen hat zur Erstellung der bislang detailliertesten Radiokarte des Herzens unserer Galaxie geführt. Mithilfe des Teleskopnetzwerks ALMA (Atacama Large Millimeter/submillimeter Array) in der chilenischen Atacama-Wüste zeichneten die Wissenschaftler die von kaltem interstellarem Gas ausgestrahlte Strahlung auf. Dieses Bild zeigt ein gigantisches Netzwerk von Gasstrukturen, das sich über mehr als 650 Lichtjahre um das Galaxienzentrum erstreckt. Es handelt sich um eine Schlüsselregion, in der die Gravitationsdominanz des supermassereichen Schwarzen Lochs Sagittarius A* die gesamte Umgebung beeinflusst und die Entwicklung der Milchstraße prägt. Die neue Karte ermöglicht es Forschern, tief in dichte Staubwolken zu blicken, die normalerweise sichtbares Licht blockieren und Beobachtungen mit herkömmlichen optischen Teleskopen unmöglich machen. Dank der Präzision des ALMA-Instruments konnten komplexe Verdrehungen und Filamente von Gas identifiziert werden, die als Baustoff für neue Sterne dienen. Die Analyse der chemischen Zusammensetzung dieser Gebiete zeigt das Vorhandensein komplexer organischer Moleküle, was darauf hindeutet, dass Bedingungen, die die Entstehung von Lebensvorläufern begünstigen, selbst in einer solch turbulenten Umgebung weit verbreitet sein könnten. Astronomen weisen auf das ungewöhnliche Verhalten von Materie hin, die unter dem Einfluss starker Magnetfelder und der Strahlung aus der Nähe des Schwarzen Lochs Strukturen bildet, die bisher in anderen Teilen der Galaxie nicht beobachtet wurden. Die Milchstraße ist eine Balkenspiralgalaxie mit einem Alter von etwa 13,6 Milliarden Jahren. Ihre zentrale Region blieb aufgrund der enormen Mengen an kosmischem Staub, die die Sicht im sichtbaren Bereich effektiv versperren, jahrzehntelang ein Rätsel.Diese Forschung ist von grundlegender Bedeutung für das Verständnis des sogenannten Paradoxons der Sternentstehung im Galaxienzentrum. Trotz der riesigen Menge an verfügbarem Gas ist die Geburtenrate neuer Sonnen dort deutlich niedriger, als es die Standardmodelle der Physik vorhersagen. Neue Daten deuten darauf hin, dass gerade die extremen Turbulenzen und die hohe Gastemperatur in der Nähe von Sagittarius A* die Prozesse des Gravitationskollapses von Wolken hemmen könnten. Das veröffentlichte Bild stellt nicht nur einen technologischen Triumph dar, sondern vor allem eine unschätzbare Datenquelle für Theoretiker, die versuchen, die Entwicklungsgeschichte der Milchstraße von ihrer Entstehung nach dem Urknall nachzuvollziehen. 650 — Lichtjahre misst der fotografierte Bereich des GalaxienzentrumsDieses Projekt wurde über mehrere Jahre durchgeführt und erforderte enorme Rechenleistung, um Terabytes an Rohdaten zu verarbeiten, die aus den chilenischen Anden übertragen wurden. Das finale Bild zeigt die Galaxie auf eine bisher unzugängliche Weise und kombiniert die Präzision von Radiomessungen mit einer fortschrittlichen Visualisierung der Temperatur- und Materiedichteverteilung. Der nächste Schritt für das Forschungsteam wird die Analyse einzelner Gasfilamente sein, um festzustellen, welche von ihnen tatsächlich in der Lage sind, den Prozess der Entstehung neuer Planetensysteme auszulösen.