Während der turbulenten Sejm-Sitzung lehnten die Abgeordneten den Antrag auf ein Misstrauensvotum gegen Landwirtschaftsminister Stefan Krajewski ab, dessen Entlassung die Opposition gefordert hatte. Gleichzeitig verabschiedete das Unterhaus eine Reihe wichtiger Regelungen, darunter eine Novelle des Energierechts, die das Modell für den Netzanschluss ändert, sowie Vorschriften, die kleinere Unternehmen von der ESG-Berichterstattung befreien. Die Abstimmungen wurden von heftigen politischen Auseinandersetzungen über das Mercosur-Abkommen und die Agrarpolitik der Regierung begleitet.
Stefan Krajewski bleibt im Ministeramt
Der Sejm lehnte den Antrag auf Abberufung des Landwirtschaftsministers ab, trotz scharfer Kritik der Opposition am Agrarsektor.
OZE-Anschlussreform bestätigt
Neue Vorschriften wurden angenommen, um die Regeln für den Anschluss neuer grüner Energiequellen an das Stromnetz zu vereinfachen und zu vereinheitlichen.
Verabschiedung des Datengovernance-Gesetzes
Der Sejm nahm ohne Änderungen Regelungen für ein modernes Modell des Datenmanagements in Verwaltung und Wirtschaft an.
Erleichterungen bei der ESG-Berichterstattung
Einige Unternehmen wurden gesetzlich von der Pflicht zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten für die Jahre 2025-2026 befreit.
Ende Februar 2026 wurde der Sejm zum Schauplatz wichtiger Personal- und Wirtschaftsentscheidungen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Abstimmung über ein Misstrauensvotum gegen Landwirtschaftsminister Stefan Krajewski. Die Opposition, vor allem die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), warf dem Ressortchef Untätigkeit angesichts steigender Produktionskosten in der Landwirtschaft sowie unzureichenden Widerstand gegen die Bestimmungen des Handelsabkommens mit den Mercosur-Staaten vor. Minister Krajewski wies die Vorwürfe zurück und kündigte eine rechtliche Prüfung und die Möglichkeit an, das Mercosur-Abkommen vor dem Gerichtshof der Europäischen Union anzufechten, obwohl die Opposition vor der Verstreichung der Frist für wirksame Maßnahmen warnte. Premierminister Donald Tusk und der Vorsitzende der Polnischen Volkspartei (PSL), Władysław Kosiniak-Kamysz, unterstützten den Minister eindeutig und argumentierten, die aktuellen Probleme seien das Erbe der Versäumnisse der Vorgänger, und Krajewski zeige fachliche Konsequenz. Das Misstrauensvotum im polnischen parlamentarischen System führt selten zur Abberufung eines Ministers bei stabiler Regierungsmehrheit und dient eher als Plattform für die Opposition zur Regierungskritik.Parallel dazu verabschiedete der Sejm ein bahnbrechendes Datengovernance-Gesetz und eine wichtige Infrastrukturreform. Das zentrale Gesetz war das sogenannte Netzgesetz, das ein neues Modell für den Netzanschluss an das Stromnetz einführt. Die neuen Vorschriften zielen darauf ab, die Transparenz des Prozesses zu erhöhen und die Integration erneuerbarer Energiequellen zu erleichtern, gehen jedoch mit einer Erhöhung einiger Gebühren einher. Das Parlament beschloss außerdem, die Berichtspflichten im Bereich ESG für einige Unternehmen für die Jahre 2025 und 2026 auszusetzen, um kleine Unternehmen in Zeiten der Marktunsicherheit zu entlasten. Die Atmosphäre auf der Besuchertribüne war äußerst angespannt, es kam zu emotionalen Wortwechseln zwischen Politikern verschiedener Lager. Vizemarschall Włodzimierz Czarzasty geriet verbal mit Abgeordneten Marek Suski aneinander, und die Debatte über die Landwirtschaft ging gelegentlich über sachliche Grenzen hinaus und berührte sogar private Angelegenheiten. Trotz dieser Kontroversen hielt die Regierungskoalition in den entscheidenden Abstimmungen zusammen, was die Verabschiedung der Novelle zum Haushaltsgesetz und der Vorschriften zur Verbuchung von Zertifikaten nichtöffentlicher Fonds ermöglichte. Diese Entscheidungen schließen eine wichtige Phase der Gesetzgebungsarbeiten vor dem kommenden neuen Haushaltsquartal ab. „PiS chciał odwołać ministra rolnictwa za swoje własne błędy.” — Donald Tusk
Mentioned People
- Stefan Krajewski — Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, der einem Misstrauensvotum standhielt.
- Donald Tusk — Ministerpräsident, der den Landwirtschaftsminister während der Debatte unterstützte.
- Władysław Kosiniak-Kamysz — Vizepremier und Vorsitzender der PSL, der die Leistungen von Minister Krajewski verteidigte.
- Włodzimierz Czarzasty — Vizemarschall des Sejm, der in Auseinandersetzungen mit der Opposition während der Sitzungen verwickelt war.
- Marek Suski — PiS-Abgeordneter, der die Maßnahmen der Regierung und die Führung der Sitzungen durch den Marschall kritisierte.