Der Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty befindet sich im Zentrum eines politischen Skandals. Der Fall betrifft angebliche Geschäftsverbindungen des Politikers zu einer russischen Staatsbürgerin, das Fehlen eines Sicherheitsfragebogens des Inlandsgeheimdienstes ABW sowie den beispiellosen Abbruch der Kontakte durch den US-Botschafter. Zusätzliche Kontroversen weckt die verspätete Ergänzung des Vorteilsregisters um eine Mitgliedschaft im Rat einer mit Marian Kubalica verbundenen Stiftung. Die Opposition fordert den Rücktritt des Marschalls und verweist auf eine Gefährdung der Staatssicherheit.
Vorwürfe über russische Verbindungen
Enthüllung von Geschäftsbeziehungen des Marschalls Włodzimierz Czarzasty zu Swietłana Czestnych sowie seiner Mitgliedschaft in einer Stiftung von Marian Kubalica, der die Kreml-Narrative verbreitet.
Fehlender Sicherheitsfragebogen des ABW
Der Politiker saß zwei Jahre lang in der Kommission für Spezialdienste, ohne sich einer Überprüfung durch den Gegenspionage zu unterziehen, was nachrichtendienstliche Bedenken aufwirft.
Boykott durch die USA
Botschafter Thomas Rose brach offiziell die Beziehungen zum Sejmmarschall ab, nachdem dieser kritische Äußerungen über Präsident Donald Trump getätigt hatte.
Verstoß gegen das Mandatsgesetz
Der Marschall trug einen Eintrag in das Vorteilsregister mit erheblicher Verzögerung vor, was nach Ansicht von Experten einen Bruch der gesetzlichen Bestimmungen über die Pflichten eines Abgeordneten darstellt.
Die Situation um Włodzimierz Czarzasty hat sich nach einer Reihe von Medienberichten über seine Beziehungen zu Swietłana Czestnych, einer Russin mit mutmaßlichen Verbindungen zum Kreml, verschärft. Kontroversen erregte die Tatsache, dass der Politiker zwei Jahre lang in der Sejm-Kommission für Spezialdienste saß, ohne sich einer Überprüfung durch die Agencja Bezpieczeństwa Wewnętrznego (ABW) unterzogen zu haben. Medien enthüllten auch, dass der Marschall gegen die Bestimmungen des Gesetzes über die Ausübung des Abgeordneten- und Senatorenmandats verstoßen hat, indem er das Vorteilsregister erst nach Intervention von Journalisten ergänzte. Der Eintrag betraf die Mitgliedschaft im Rat einer Stiftung unter der Leitung von Marian Kubalica, der für seine prorussischen Ansichten bekannt ist. Parallel dazu herrscht eine tiefe diplomatische Krise in den Beziehungen zu Washington. Der US-Botschafter Thomas Rose kündigte bereits am 5. Februar einen vollständigen Abbruch der Kontakte zum Sejmmarschall an. Der Grund sollen öffentliche Äußerungen Czarzastys sein, die sich gegen Präsident Donald Trump richteten und die Einsatzbereitschaft polnischer Soldaten in Frage stellten. Der Marschall weist die Vorwürfe zurück und erklärt, er werde nicht mit Diplomaten „auf den Knien” sprechen, was die polnische politische Szene weiter polarisiert. Gemäß der polnischen Verfassung übernimmt der Sejmmarschall vorübergehend die Pflichten des Staatspräsidenten im Falle von dessen Tod oder Amtsunfähigkeit, was die Frage seiner Sicherheitsüberprüfung für die Kontinuität des Staates entscheidend macht. Aktuelle Meinungsumfragen zeigen, dass der Fall in der Gesellschaft breite Resonanz gefunden hat. Über 62 Prozent der Polen haben von den Kontroversen um den Marschall gehört. Die Haltung zu seinem möglichen Rücktritt ist stark mit den Parteipräferenzen korreliert – während die Wähler der Opposition mehrheitlich Czarzastys Rücktritt fordern, sind die Anhänger der Regierungskoalition gespalten. Der ehemalige Premierminister Mateusz Morawiecki stellte die Sache radikal dar und behauptete, die Wahl stehe zwischen dem Duo Tusk-Czarzasty und der Staatssicherheit. „Ich werde mit jedem sprechen, aber nicht auf den Knien.” — Włodzimierz CzarzastySollte Włodzimierz Czarzasty zurücktreten? (unter Personen, die den Fall kennen): Ja: 44.9, Nein: 38.2, Schwer zu sagen: 16.962.6% — der befragten Polen haben vom Fall Swietłana Czestnych gehörtBetonte die Souveränität des Marschalls gegenüber den USA und deutete eine politische Hetzjagd rechter Medien auf den Führer der Linken an. | Stellte den Marschall als russische Bedrohung für Polen und als Schuldigen an der beispiellosen diplomatischen Isolation durch die USA dar.
Mentioned People
- Włodzimierz Czarzasty — Sejmmarschall der Republik Polen, Führer der Partei Die Linke, Hauptfigur von Kontroversen über Verbindungen zu einer Russin.
- Thomas Rose — Botschafter der Vereinigten Staaten in Polen, der den diplomatischen Boykott gegen Marschall Czarzasty ankündigte.
- Swietłana Czestnych — Russin, Geschäftspartnerin der Ehefrau von Marschall Czarzasty, im Besitz der polnischen Staatsbürgerschaft.
- Mateusz Morawiecki — Ehemaliger Premierminister Polens, Vizepräsident der PiS, der die Haltung von Włodzimierz Czarzasty scharf kritisierte.
- Donald Tusk — Premierminister Polens, im Kontext der politischen Verantwortung für die Handlungen des Marschalls erwähnt.
- Leszek Miller — Ehemaliger Premierminister, der Czarzasty für diplomatische Fehler und die Vermeidung einer Überprüfung durch die Dienste kritisierte.