KI-generiert·Mehr erfahren
© stern.de
Lokal·vor 3 Std.

Ein Toter bei Zusammenstößen zwischen kenianischer Polizei und Demonstranten gegen US-Ebola-Quarantänezentrum

Die kenianische Polizei ist am Dienstag in Nanyuki mit Demonstranten zusammengestoßen, hat Tränengas eingesetzt und mindestens einen Menschen getötet, während Anwohner erneut gegen ein von den USA errichtetes Ebola-Quarantänezentrum auf einem örtlichen Luftwaffenstützpunkt protestierten.

Das Quarantänezentrum

Die Vereinigten Staaten haben in den letzten Wochen auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia bei Nanyuki in Zentralkenia, rund 200 Kilometer von Nairobi entfernt, eine 50-Betten-Ebola-Quarantäne- und Beobachtungsstation errichtet. Die Einrichtung ist für asymptomatische US-Bürger gedacht, die in der Demokratischen Republik Kongo, Uganda oder dem Südsudan einem hohen Ebola-Risiko ausgesetzt waren. US-Beamte haben betont, dass Patienten, die Symptome entwickeln, zur Behandlung in andere Länder und nicht auf US-amerikanischen Boden gebracht würden.

Von Reuters ausgewertete Satellitenbilder zeigen, dass seit dem 27. Mai Land auf dem Stützpunkt gerodet wird. US-Militärflugzeuge haben nach Angaben von Flugverfolgungsdaten und diplomatischen Quellen weiterhin Personal und Ausrüstung geliefert, selbst nachdem ein kenianisches Obergericht die Arbeiten am 28. Mai ausgesetzt hatte.

Lokaler Widerstand und rechtliche Auseinandersetzungen

Viele Kenianer lehnen das Zentrum ab, da sie befürchten, es könnte das tödliche Virus in ein Land bringen, das noch nie einen Ebola-Fall verzeichnet hat. Die Bewohner von Nanyuki sorgen sich zudem um Schäden für den Tourismussektor, der von Safaris und Wanderungen am Mount Kenya abhängt. Eine rechtliche Anfechtung führte zu der gerichtlichen Anordnung vom 28. Mai, aber die Bauarbeiten wurden nicht eingestellt.

Am 1. Juni brachen Proteste aus, bei denen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen zwei Menschen ums Leben kamen. Die Kundgebung am Dienstag war die zweite große Demonstration innerhalb von zwei Wochen.

Wir haben diese Krankheit nicht in diesem Land … sie bringen ein Virus in unser Land.

Der gewaltsame Polizeieinsatz am Dienstag

Hunderte Menschen versammelten sich am Dienstagmorgen im Zentrum von Nanyuki, einige trugen einen symbolischen Sarg, andere trugen nachgemachte Schutzausrüstung. Die Polizei war in großer Zahl im Einsatz und nahm zunächst mehrere Festnahmen vor. Im Laufe des Tages kam es zu Scharmützeln: Demonstranten warfen Steine und errichteten Barrikaden, woraufhin die Beamten Tränengas, Wasserwerfer und nach Angaben von Augenzeugen auch scharfe Munition einsetzten.

Ein AFP-Journalist sah einen regungslos am Boden liegenden Mann mit einer Kopfverletzung, und ein lokaler NGO-Direktor bestätigte später seinen Tod. Ein zweiter Demonstrant wurde verletzt, als er von einer Tränengaspatrone getroffen wurde, berichtete das Kenianische Rote Kreuz. Die Kenianische Menschenrechtskommission erklärte, dass 19 Demonstranten willkürlich festgenommen wurden.

Zeitleiste des Streits um das Ebola-Quarantänezentrum
  1. Satellitenbilder zeigen gerodetes Land auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia für die 50-Betten-Einheit.
  2. Das kenianische Obergericht erlässt eine Anordnung zur Aussetzung der Bauarbeiten.
  3. Erste Proteste in Nanyuki werden gewalttätig; zwei Menschen getötet.
  4. Erneute Proteste brechen aus; Polizei setzt Tränengas ein, ein Demonstrant erschossen, 19 festgenommen.

Regierungspositionen und internationale Folgen

Präsident William Ruto hat das Projekt als Partnerschaft mit einem langjährigen Verbündeten verteidigt.

Als Präsident Trump die kenianische Regierung bat, sie durch ein Zentrum zu unterstützen … habe ich grünes Licht gegeben, weil es eine Vereinbarung und eine Partnerschaft mit Freunden war, die seit 30, 40 Jahren mit Kenia zusammenarbeiten.

Washington hat die Einrichtung als wesentlich für seine „America First“-Doktrin dargestellt. Außenminister Marco Rubio erklärte, die Regierung „kann und wird nicht zulassen, dass Ebola-Fälle in die Vereinigten Staaten gelangen“. Das Außenministerium stellte später klar, dass kranke Amerikaner zur Behandlung in die USA zurückkehren könnten, aber die Quarantänestation werde dennoch fertiggestellt.

Die USA haben mehr als 200 Millionen Dollar an direkter Hilfe für die von Ebola betroffene Region zugesagt, darunter 13,5 Millionen Dollar für Kenia für eigene Hilfsmaßnahmen. Die Einrichtung in Nanyuki belastet jedoch weiterhin das lokale Vertrauen und ist zu einem Brennpunkt in den Beziehungen zwischen den USA und Kenia geworden.

Nanyuki

8 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft
Bandar Abbas · Sirik · Qeschm · Maskat