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Konflikte·vor 2 Std.

Bulgariens neuer Verteidigungsminister stoppt Waffenlieferungen an die Ukraine und fordert Verhandlungen mit Moskau

Der neu ernannte Verteidigungsminister Dimitar Stojanow erklärte am Dienstag, dass Sofia der Ukraine keine Waffen mehr liefern werde – eine scharfe Kehrtwende unter der Regierung des ehemaligen Präsidenten Rumen Radew.

Kurswechsel in Sofia

Bulgariens neuer Verteidigungsminister Dimitar Stojanow kündigte am Dienstag an, dass das Land der Ukraine keine weiteren Waffen liefern werde. Damit kehrt er eine Politik um, die unter anderem Panzerabwehrraketen, gepanzerte Fahrzeuge, Mörser, Flugabwehrgeschütze, Haubitzen und Infanteriewaffen nach Kiew umfasste. Die Ankündigung erfolgte, als Stojanow die Prioritäten seines Ministeriums unter der Regierung von Ministerpräsident Rumen Radew vorstellte, der als ehemaliger Präsident nach dem klaren Wahlsieg seiner Partei im April vereidigt wurde.

Wir haben bereits klar gesagt, dass der Krieg in der Ukraine nicht auf dem Schlachtfeld entschieden wird. Wir erleben einen Abnutzungskrieg, und egal wie viele Waffen angehäuft werden, das einzige Ergebnis ist der Verlust von Menschenleben.

Stojanow sagte, es sei Zeit, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und einen gerechten Frieden zu suchen, der von beiden Seiten bestimmt werde. Er fügte hinzu, die Ukraine brauche mehr Menschen, nicht mehr Waffen, und Kiew habe bereits genug Rüstungsgüter.

Bulgariens Rolle als Arsenal sowjetischer Munition

Bulgarien ist einer der wichtigsten europäischen Produzenten von Munition sowjetischen Typs, die mit dem bestehenden Arsenal der Ukraine kompatibel ist. Im September 2025 erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass etwa ein Drittel der von Kiew verwendeten Waffen direkt oder indirekt aus bulgarischer Produktion stammte. Zwischen 2022 und 2023 vermied Sofia öffentliche Ankündigungen direkter Waffenlieferungen und exportierte stattdessen über europäische Zwischenhändler, wobei Beamte erklärten, sie könnten nicht kontrollieren, was Käufer mit diesen Exporten machten. Die bulgarischen Behörden genehmigten nach 2022 mindestens 13 Militärhilfepakete für die Ukraine, deren Wert und Inhalt jedoch nicht veröffentlicht wurden.

Die Ukraine braucht mehr Menschen, nicht mehr Waffen. Sie hat genug Waffen, daher planen wir nicht, der ukrainischen Armee weitere zu liefern.

Die Haltung der Regierung Radew

Rumen Radew, der neue Ministerpräsident und ehemalige Präsident, hat sich jahrelang gegen die Bewaffnung der Ukraine ausgesprochen und für eine diplomatische Lösung plädiert. Vor den Wahlen im April trat er für praktische Beziehungen zu Russland auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und gleichberechtigter Behandlung ein und kritisierte das Sicherheitsabkommen mit der Ukraine. Nach seiner Vereidigung versprach Radew, eine pro-europäische Politik zu verfolgen, obwohl sein Parteiprogramm eine Neubewertung der Sanktionen gegen Moskau vorsieht, von denen er argumentiert, dass sie die europäischen Staaten ebenso stark schädigten wie Russland.

Das Sicherheitsabkommen vom März

Im März 2026 unterzeichneten die Ukraine und Bulgarien ein zehnjähriges bilaterales Sicherheits- und Kooperationsabkommen, das die gemeinsame Verteidigungsproduktion, den Austausch von Geheimdienstinformationen und einen Energiekorridor vorsieht, der jährlich bis zu zehn Milliarden Kubikmeter Gas in die Ukraine leiten soll. Stojanows Ankündigung ging nicht auf den Status dieses Abkommens ein. Aus Kiew gab es zunächst keine Reaktion auf die Aussagen des Ministers.

Verteidigungsausgabenpläne

Stojanow skizzierte auch Bulgariens Plan, die Verteidigungsausgaben bis 2030 auf fünf Prozent des BIP zu erhöhen, wobei 3,5 Prozentpunkte für direkte Militärausgaben und 1,5 Prozentpunkte für verteidigungsbezogene Ausgaben wie Infrastruktur und Cybersicherheit vorgesehen sind. Im vergangenen Jahr lagen die Verteidigungsausgaben bei 2,13 Prozent des BIP, und die Regierung erwartet für dieses Jahr einen Anstieg auf 2,15 Prozent.

Bulgariens wechselnde Haltung zu Ukraine-Waffen
  1. Russland überfällt die Ukraine; Bulgarien vermeidet öffentliche direkte Waffenlieferungen und exportiert über europäische Zwischenhändler
  2. Bulgarien setzt indirekte Waffenexporte fort; Beamte sagen, sie könnten die Endverwendung durch Käufer nicht kontrollieren
  3. Kurswechsel: Bulgarien liefert Panzerabwehrraketen, gepanzerte Fahrzeuge, Mörser, Haubitzen und Infanteriewaffen direkt an die Ukraine
  4. Ursula von der Leyen erklärt, dass etwa ein Drittel der Waffen der Ukraine aus bulgarischer Produktion stammt
  5. Ukraine und Bulgarien unterzeichnen zehnjähriges Sicherheitsabkommen über gemeinsame Verteidigungsproduktion und Energiekorridor
  6. Rumen Radews Partei gewinnt klaren Sieg bei den Parlamentswahlen
  7. Regierung Radew vereidigt; verspricht pro-europäische Politik trotz pro-russischem Hintergrund
  8. Verteidigungsminister Dimitar Stojanow kündigt Stopp der Waffenlieferungen an und fordert Verhandlungen

Europäische Reaktion und Vermittlerrolle

Stojanow räumte ein, dass die Rolle der Europäischen Union äußerst wichtig sei, sagte aber, es sei schwer vorstellbar, dass die EU als Vermittler auftrete, da sie die Ukraine in ihrem Krieg unterstützt habe. Die politische Kehrtwende wird von westlichen Partnern genau beobachtet, angesichts Bulgariens strategischer Lage am Schwarzen Meer und seines Status als NATO- und EU-Mitglied.

Sofia

8 Quellen

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